Großbritanniens König Charles III. ist Gastgeber einer Versammlung junger britischer Gemeinde- und Glaubensführer im Buckingham-Palast.
König Charles muss sich seiner Genesung widmen. Doch wer übernimmt seine Aufgaben? Bildrechte: picture alliance/dpa/Pool PA/AP | Aaron Chown

Notfallplan, Vertretung und Abdankung Nach der Krebsdiagnose bei König Charles - Plan B für die Britische Monarchie

08. März 2024, 08:12 Uhr

Ein Königreich im Stillstand? Wie geht es nach Prinzessin Kates Bauch-OP und Charles' Krebsdiagnose für Großbritannien weiter?

Fest steht: 2024 könnte für die Windsors ein zweites "annus horribilis" werden. Bisher ging 1992 als Schreckensjahr in die Annalen der Royal Family ein. Ehekriege, Scheidungen, Schloss Windsor in Flammen... Doch aktuell scheint es schlechter denn je um das britische Königshaus zu stehen.

Der britische König Charles III. nimmt an einem Empfang in der Residenz des britischen Hochkommissars zur Würdigung der kenianischen Gesellschaft teil.
Schwere Zeiten für das britische Königshaus: Charles fällt für längere Zeit aus, seine Schwiegertochter Kate ebenfalls. Wer hält dann die Stellung im Königreich? Bildrechte: picture alliance/dpa/PA Wire | Chris Jackson

Arbeitet Charles weiter?

Wie der Buckingham-Palast am Montag mitteilte, ist Charles nach seiner Schockdiagnose bereits in Behandlung. Um was für einen Krebs es sich handelt, gibt der Palast nicht Preis. Nur so viel: Es ist kein Prostatakrebs. In der britischen Yellow Press ist von Blasenkrebs die Rede. Bestätigt sind diese Gerüchte allerdings nicht.

Der Monarch wird vorerst keine öffentlichen Termine wahrnehmen. Seine Amtsgeschäfte möchte er allerdings trotz Behandlungen weiterführen - und das sind einige.

Zwar sind die Aufgaben des Regenten in aller Regel repräsentativ, dennoch stehen König und Regierung im ständigen Austausch. So trifft sich Charles jeden Mittwoch mit Premierminister Rishi Sunak. Dieser bestätigte auch, dass die wöchentlichen Termine trotz Charles' Erkrankung weiterhin stattfinden werden. Wie das ablaufen wird, verriet er nicht. Die BBC munkelt, dass die Treffen künftig virtuell abgehalten werden könnten. Auch die monatlichen Treffen des Privy Council wolle Charles weiterhin wahrnehmen.

Privy Council Das Privy Council (auch Kronrat genannt) ist ein politisches Beratungsgremium des britischen Monarchen. Alle Regierungsmitglieder sowie Angehörige der königlichen Familie gehören dem Privy Council an, ebenso die Erzbischöfe und hohen Richter (insgesamt rund 400 Personen).

Wie schwer ist Charles wirklich erkrankt?

Die Prognose für Charles' Genesung ist laut Daily Mail "gut". "Charles und seine Ärzte sind sehr, sehr zuversichtlich". Wie die Zeitung schreibt, ist die Krankheit "sehr früh erkannt" worden. Zum genauen Gesundheitszustand hält sich der Palast bisher bedeckt - was im Volk auf Kritik stößt. "Das größte Ärgernis besteht darin, dass trotz der Aufforderung, nicht zu spekulieren, alle Medien spekulieren, was meiner Meinung nach die Sache noch schlimmer macht!", kritisiert ein User bei "X".

Der bekannte und durchaus kontroverse Moderator Piers Morgan wirft dem Palast gar "inkonsequente" Berichterstattung vor: "Man kann den Medien keinen Vorwurf machen … der Palast hat konkrete Einzelheiten über die jüngste Prostataoperation des Königs bekannt gegeben, und es erscheint inkonsequent, seine Krebsart jetzt geheim zu halten."

Piers Morgan spricht zu Reportern vor seinem Haus in Kensington, im Zentrum Londons.
Piers Morgan ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen - besonders, wenn es um die Royal Family geht. Seine bevorzugte Zielscheibe: Prinz Harry. Bildrechte: picture alliance/dpa/PA Wire | Jonathan Brady

Wer springt im Ernstfall für Charles ein?

Falls es um die Gesundheit des Königs schlechter steht, als bisher gedacht, gibt es eine Art Notfallplan:

Ist der König ernsthaft krank oder weilt im Ausland, kann er einige seiner (vorrangig repräsentativen) Aufgaben auch an "Counsellors of State" - also Staatsräte - übertragen. Dabei handelt es sich traditionell um die Ehefrau des Monarchen, also Königin Camilla, sowie die ersten vier Personen der Thronfolge, die älter als 21 Jahre sind.

Das sind im Falle von Charles Prinz William, Prinz Harry, sein Bruder Prinz Andrew und dessen älteste Tochter Prinzessin Beatrice. Da Harry und Andrew aber keine Termine für die Royals übernehmen, wurden Ende 2022 auch Charles Schwester Prinzessin Anne und sein jüngster Bruder Prinz Edward zu Staatsräten ernannt.

Falls Charles gar nicht mehr in der Lage sein sollte, Amtsgeschäfte auszuführen, würde William als sein Thronfolger einspringen müssen. Mit einer Ausnahme: Er dürfte keine Gesetze verabschieden. Diese Aufgabe darf nur der offizielle König übernehmen.

William, the Prince of Wales
Auf William lastet eine Menge Druck: Nicht nur, dass seine Frau Kate ernsthaft erkrankt ist. Als Thronfolger muss er jetzt einige Aufgaben seines Vaters übernehmen. Bildrechte: IMAGO/Sportimage

Was macht Charles' Familie jetzt?

Nach Charles' Krebsdiagnose steht William nun also in der Pflicht - auch wenn sein Vater einen Großteil der Aufgaben nicht aus der königlichen Hand geben will.

William nahm sich nach Kates Bauch-OP eine royale Auszeit - auch, um sich um die gemeinsamen Kinder George, Charlotte und Louis zu kümmern. Nachdem jetzt auch sein Vater ausfällt, wird er ab Mittwoch (07.02.) wieder öffentliche Termine für die Krone wahrnehmen.

Sein Bruder Harry wird ihn nicht bei royalen Aufgaben unterstützen. Dafür überraschte die Nachricht, dass sich Charles' Zweitgeborener direkt am Montag auf den Weg nach London gemacht hat, um seiner Familie beizustehen - auch, wenn sein Besuch nur kurz währte.

Das Verhältnis zwischen Harry und seinem Vater gilt als zerrüttet, genauso wie zu seinem Bruder William. Die Frage, ob die Familie jetzt wieder zusammenrückt, ist durchaus berechtigt. Harrys Anreise kann als positives Zeichen gedeutet werden.

Prinz Harry
Eigentlich ist Prinz Harry nicht gut auf seine Familie zu sprechen. Doch in schweren Zeiten scheint er zu den Windsors zu halten. Bildrechte: IMAGO / PA Images

Ist eine Abdankung denkbar?

Abdankung, weil die Gesundheit nicht mehr mitspielt - die Königinnen Beatrix und Margrethe haben es vorgemacht. Doch kommt das auch für Charles infrage?

Abgesehen davon, dass seine Diagnose Mut zur Hoffnung macht, haben Abdankungen im britischen Königshaus keine Tradition - im Gegenteil. Englands Könige und Königinnen dienen ihrem Volk bis zum Schluss - man denke nur an Queen Victoria (63 Jahre) oder Queen Elizabeth II. (70 Jahre). Eine (besonders dunkle) Ausnahme: die Abdankung Eduards VIII. - Elizabeths Onkel. Die löste damals eine Verfassungskrise aus.

In seiner ersten Rede als König erinnerte Charles an seine Mutter. Sie habe einst versprochen, "ihr ganzes Leben, möge es kurz oder lang sein", dem Dienst an ihren Untertanen zu widmen. Dieses Versprechen habe sie gehalten - und er wolle es erneuern.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. Februar 2024 | 17:15 Uhr

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