Chinesin hustet in ihre Faust.
Keuchhusten ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten der Atemwege. Bildrechte: Colourbox.de

Erkrankung auf dem Vormarsch So gefährlich ist Keuchhusten

16. Mai 2024, 15:11 Uhr

Keuchhusten breitet sich in Deutschland aus

In Baden-Württemberg meldete das Landesgesundheitsministerium zuletzt einen starken Anstieg von Keuchhustenerkrankungen bei den bis zu 14-Jährigen. Während es im letzten Jahr noch 29 gemeldete Fälle waren, sind es in diesem Jahr bereits 484.

Auch in anderen Bundesländern steigen die Fallzahlen immer weiter an. Dass deutlich mehr Menschen an Keuchhusten erkranken, lässt sich auch durch ein geschwächtes Immunsystem nach der Corona-Pandemie erklären.

So äußert sich Keuchhusten

Die Infektionskrankheit der Atemwege wird durch ein Bakterium ausgelöst und verläuft in drei Phasen. Erste Symptome treten meist neun bis zehn Tage nach Ansteckung auf. Wer die Symptome frühzeitig erkennt und eingreift, kann einen schweren Verlauf der Erkrankung verhindern.

Phase 1: In den ersten ein bis zwei Wochen treten nur leichte Erkältungserscheinungen, wie Schnupfen, Husten und Schwächegefühl auf. Fieber ist eher selten. Aber: Gerade in dieser Zeit sind Erkrankte besonders ansteckend.  

Phase 2:
Erst in Phase zwei treten die typischen Hustenanfälle auf, die der Erkrankung ihren Namen geben. Die Anfälle äußern sich durch krampfartige Hustenstöße, die oft mit einem keuchenden Einziehen der Luft enden. Häufig wird auch zäher Schleim herausgewürgt und es kommt zum Erbrechen. Betroffene leiden oft auch unter Appetit- und Schlaflosigkeit. Nachts sind die Hustenanfälle besonders häufig und intensiv. Diese Phase dauert vier bis sechs Wochen an.

Phase 3:
In der letzten Phase, der Erholungsphase, klingen die Hustenattacken langsam ab. Diese Phase kann nochmal sechs bis zehn Wochen andauern. Erkrankte können aber noch deutlich länger durch körperliche Anstrengung, Zigarettenrauch oder andere Faktoren Reizhusten auslösen.

Mann mit Husten im Bett
Die charakteristischen Hustenanfälle treten erst ein bis zwei Wochen nach den ersten Symptomen auf. Bildrechte: Colourbox.de

Wie wird Keuchhusten übertragen?

Keuchhusten, auch Pertussis genannt, wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, also durch winzige Tröpfchen aus dem Nasen-Rachen-Raum, die beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert werden. Im Umkreis von einem Meter können die Tröpfchen dann eingeatmet werden. Deshalb führt beinahe jeder Kontakt zwischen Erkrankten und Gesunden, die nicht geschützt sind, zu einer Ansteckung.

Was schützt vor Keuchhusten?

Besonders wirkungsvoll, um einen schweren Verlauf zu vermeiden oder eine Erkrankung komplett zu verhindern, ist ein umfassender Impfschutz. Dazu wird in mehreren Schritten, im Baby-, Schulkind- und Erwachsenenalter gegen den Keuchhusten geimpft. Ob und wie oft eine Auffrischungsimpfung notwendig ist, hängt auch von Alter, Lebenssituation und Vorerkrankungen ab. Sie sollten sich daher immer von ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin beraten lassen.

Wichtig: Auch Geimpfte können die Erreger noch an andere weitergeben, selbst wenn sie keine Symptome zeigen.

Spritze in einer Hand mit Schutzhandschuh
Eine Keuchhusten-Impfung kann den Krankheitsverlauf deutlich abschwächen oder eine Infektion sogar gänzlich verhindern. Bildrechte: IMAGO / Pond5 Images

Wie gefährlich ist Keuchhusten wirklich?

Bei Jugendlichen, Erwachsenen und geimpften Kindern kann eine Keuchhusten-Erkrankung ohne Hustenattacken, lediglich mit anhaltendem, aber leichtem Husten verlaufen. Gerade in diesen Fällen bleibt die Erkrankung oft unerkannt.

Besonders gefährlich ist die Erkrankung für Säuglinge und Kleinkinder. Sie haben ein erhöhtes Risiko begleitend an einer Lungenentzündung, Mittelohrentzündung oder Asthma zu erkranken. Durch einen Sauerstoffmangel während der Hustenattacken kann es außerdem zu Schädigungen des Gehirns kommen.

Ebenfalls gefährdet sind Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass Kontaktpersonen vorsichtig sind, um eine Übertragung zu vermeiden. Auch Schwangere sollten sich vor der Geburt des Kindes impfen lassen, um das Baby im Voraus zu schützen.

Schlafendes Neugeborenes
Zwei von drei Neugeborenen mit Keuchhusten müssen im Krankenhaus behandelt werden, da es zu Atemstillstand kommen kann. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Was tun bei Keuchhusten?

Bei Verdacht auf Keuchhusten, sollten Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin aufsuchen. Diese können mit einem Abstrich des Nasen-Rachen-Raums oder durch Bluttests nachweisen, ob es sich wirklich um Keuchhusten handelt.

Erfolgt die Diagnose innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen, können Antibiotika die Erkrankung deutlich abschwächen und verkürzen. Danach kann der Krankheitsverlauf zwar kaum noch beeinflusst werden, aber auch hier können Antibiotika sinnvoll sein. Sie verkürzen nämlich die Dauer der Ansteckungsfähigkeit und können damit eine weitere Verbreitung von Keuchhusten verhindern.

Außerdem sollten Erkrankte viel trinken, um den Husten zu lindern und Mahlzeiten lieber in kleineren Portionen einnehmen, falls es zu Erbrechen kommt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 16. Mai 2024 | 17:15 Uhr

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