Fast neun Monate vermisst Verschwundener zweijähriger Émile aus Frankreich ist tot

04. April 2024, 18:36 Uhr

Traurige Gewissheit: Der kleine Émile aus Frankreich ist tot. Knapp neun Monate nach seinem Verschwinden in Südfrankreich sind Knochen des Kleinkindes gefunden worden.

Die Polizei sei am Samstag (30.04.) über den Fund nahe dem Weiler Haut-Vernet in den Alpen der Provence informiert worden, erklärte Staatsanwalt Jean-Luc Blachon am Sonntag. Gentests hätten zu der Schlussfolgerung geführt, "dass es die Knochen des Kindes Emile" seien.

An einem Bach, nicht weit entfernt vom Fundort der Knochen, fanden die Einsatzkräfte auch das T-Shirt, die Schuhe und die Unterhose, die Émile am Tag seines Verschwindens trug. Die Kleidung sei verstreut gewesen.

Polizisten neben Polizeifahrzeug
Dutzende Ermittler durchsuchten am Montag (01.04.) die Gegend. Bildrechte: picture alliance/dpa/MAXPPP | Lp/Olivier Lejeune

Todesumstände könnten ungeklärt bleiben

Laut Gendarmeriesprecherin Marie-Laure Pezant sei es unsicher, ob die Todesursache überhaupt geklärt werden könne: "Wir haben einen Teil der Knochen, wir werden vielleicht nicht alle Elemente haben, um die Todesumstände zu bestimmen."

Staatsanwalt Jean-Luc Blachon ergänzte: "Diese Knochen alleine ermöglichen es nicht, zu sagen, was die Ursache für den Tod von Émile war. Zwischen einem Sturz des Kindes, fahrlässiger Tötung und Mord können wir noch immer keine These als wahrscheinlicher erachten als die anderen, um das Verschwinden und den Tod des Kindes Émile zu erklären."

Der Staatsanwalt räumte ein: "Ich weiß, dass das nicht befriedigend ist, für niemanden, weder für die Familie, noch für die Fahnder, noch für die Ermittlungsrichter."

Die Ermittler fanden kleine Risse und Brüche an den Knochen, die nach dem Tod entstanden seien. Es gab auch Bissspuren, vermutlich von Tieren. Verletzungen vor dem Tod des Jungen habe man aber nicht gefunden. Die Knochen seien außerdem nicht vergraben worden und lange Zeit über verschiedenem Wetter ausgesetzt gewesen.

Eine Wanderin hatte die Knochen gefunden, darunter den Schädel des Kindes.

Staatsanwalt bei der Pressekonferenz 3 min
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Brisant Mi 03.04.2024 17:15Uhr 02:45 min

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Fundort gibt Rätsel auf

Die Polizei kündigte an, nach dem Knochenfund weitere Suchaktionen in dem Gebiet vornehmen zu wollen. Dafür wurde das Dörfchen von der Außenwelt abgeriegelt.

Männer in Tarnkleidung an einem Torbogen
Der Raum rund um den Fundort wurde abgesperrt. Bildrechte: picture alliance/dpa/MAXPPP | Camoin Eric

Wie Journalisten vor Ort beobachteten, war die einzige Straße vom Dorf Le Vernet zum Weiler Haut-Vernet mit einer Straßensperre blockiert. Nur Fahrzeuge der Gendarmerie passierten die Blockade.

"Die Suche dauert so lange, wie es notwendig ist", sagte der Kommandeur der Gendarmeriegruppe Alpes-de-Haute-Provence, Pierre-Yves Bardy, bei einer Pressekonferenz. Es müsse verhindert werden, dass Wanderer und andere Menschen den Fundort "verschmutzen".

Mithilfe von Anthropologen werde versucht zu bestimmen, ob sich die Knochen seit dem Verschwinden des Kindes dort befänden oder "ob sie von einer menschlichen Person, einem Tier" oder gar "den Wetterbedingungen" dorthin gebracht wurden, sagte Gendarmeriesprecherin Marie-Laure Pezant. "Wenn Sie eine Leiche abgelegt haben, haben Sie Elemente im Boden, die erkennen lassen, dass die Leiche eine gewisse Zeit auf diesem Boden gelegen hat", sagte sie.

Der Fundort befinde sich in "einem Gebiet mitten in der Natur, das steil und nicht immer leicht zugänglich ist" und seit dem Verschwinden Émiles mehrfach durchsucht worden sei, fuhr die Sprecherin fort.

Émile war fast neun Monate vermisst

Der zweieinhalb Jahre alte Junge war bei seinen Großeltern im südfranzösischen Ort Le Vernet im Urlaub gewesen, als diese ihn am 8. Juli 2023 gegen Abend aus dem Blick verloren. Bei den Großeltern hielten sich zu dem Zeitpunkt auch etliche andere Verwandte auf. Zwei Zeugen hatten ausgesagt, noch gesehen zu haben, wie das Kleinkind eine Straße herunterlief.

Vermisste Kinder: Émile aus Frankreich
Knapp neun Monate wurde Émile vermisst. Bildrechte: Gendarmerie Nationale

Es folgte eine großangelegte Suchaktion mit dutzenden Polizisten, Soldaten, Spürhunden, einem Hubschrauber und Drohnen. Die Suche wurde nach einigen Tagen ohne Erfolg eingestellt, die Ermittlungen gingen aber weiter.

Erst am vergangenen Donnerstag (28.03.) wurde der abgelegene Ort abgeriegelt, um den Tag des Verschwindens nachzustellen. Die Fahnder ermitteln wegen Entführung und Freiheitsberaubung, schließen aber auch einen Unfall nicht aus.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. April 2024 | 17:15 Uhr

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