Stromschild an einem Zaun.
Ist Strom im Spiel, kann es schnell gefährlich werden. (Archiv) Bildrechte: imago images/Andreas Haas

Potenzielle Gefahr aus der Steckdose Stromschlag - Ab wann wird's gefährlich?

01. September 2021, 20:37 Uhr

Wir sind umgeben von Strom und das kann bei einem Unfall schnell kritisch werden. Das Risiko durch Lampen, Steckdosen und Kabel sollte nie unterschätzt werden, denn unter Umständen bedeutet es Lebensgefahr. Was bei einem Stromschlag im Körper passiert, und warum das so gefährlich sein kann, erfahren Sie hier.

Elektrische Impulse spielen im menschlichen Körper eine wichtige Rolle. So werden Befehle vom Gehirn beispielsweise an die Muskeln über das Nervensystem als elektrische Signale gesendet. Auch das Herz schlägt nur, wenn die natürlichen Taktgeber für den Puls, also Sinus- und AV-Knoten, Stromimpulse erzeugen, die den Herzmuskel zum Kontrahieren bringen. Was in diesem System nicht vorgesehen ist, sind elektrische Impulse von außen. Die Bereiche, die auf elektrische Impulse reagieren, können dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden.

Offenes Stromkabel kann gefährlich werden

Das kann zum Beispiel passieren, wenn man unglücklich in eine Steckdose oder an ein offenes Stromkabel fasst. Und die Menge an Strom hat es dort in sich: Im Haushalt fließen bei 230 Volt teilweise mehr als 16 Ampere. Das ist 300-mal mehr als die Stromstärke, die bereits lebensgefährliches Herzflimmern auslösen kann.

Wie gefährlich ein Stromschlag ist, hängt von verschiedensten Faktoren ab: der Stromstärke, der Kontaktfläche, der Spannung, der Wirkungsdauer und dem Weg durch den Körper. Am Ende kann weniger Stromstärke über einen längeren Zeitraum ähnlich gefährlich sein wie sehr viel Strom in kurzer Zeit.

Hand in Steckdose
Der Strom aus der Steckdose reicht aus, um ein Herzflimmern auszulösen. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Haut als natürlich Barriere

Ein anderer wichtiger Punkt ist der Widerstand der Haut. Die obere Schicht der Haut ist relativ robust und schwächt den Stromschlag etwas ab. Je größer der Widerstand der Haut, desto stärker ist das Risiko von oberflächlichen Verbrennungen. Ist aber der Widerstand gering, etwa bei nasser Haut, gelangt der Strom schnell ins Innere des Körpers und verursacht dort Schäden. Er stört die Systeme, die auf natürliche Weise mit Stromimpulsen funktionieren und kann Schaden anrichten.

Der Strom von außen kann wie die natürlichen Signale im Körper Muskeln kontrahieren lassen. Das ist dann gefährlich, wenn etwa die Hand an einer Stromquelle verkrampft und man nicht mehr loslassen kann. Je länger der Strom wirkt, desto gefährlicher ist meistens auch die Situation. Fließt der Strom dann auch noch durch die Brustregion und trifft auf das Herz, kann es sogar tödlich ausgehen. Wenn die Taktgeber, Sinus- und AV-Knoten, außer Tritt geraten, kann das zum Zusammenbruch des gesamten Systems führen.

Junger Mann hat Brustschmerzen
Fließt Strom durch die Brustregion kann es schnell gefährlich werden. (Archiv) Bildrechte: imago/emil umdorf

Strom kann auf Menschen überspringen

Es braucht aber nicht immer direkten Kontakt, um einen Stromschlag zu erleiden. Dass Strom durch die Luft auf Menschen oder Gegenstände überspringt, ist kein neues Phänomen. So kommt es immer wieder zu Unglücksfällen, wenn beispielsweise Jugendliche auf Güterwaggons klettern und von einem Lichtbogen aus der Stromleitung getroffen werden.

Hohe Spannungen sind in der Lage, die umgebende Luft leitfähig zu machen. Die Spannung erzeugt ein elektrisches Feld, das wiederum die Luft "ionisiert". Die normalen Luftmoleküle werden dabei zu geladenen, leitfähigen Ionen. So entsteht ein leitfähiger Kanal aus Luft.

Hochspannungsleitungen in großer Höhe

Durch solch einen Kanal kann Strom fast so gut fließen wie durch ein Kabel und er kann weit überspringen. Ein Blitz ist im Grunde nichts anderes. "Man muss stromführende Teile nicht anfassen, es reicht, wenn man ihnen zu nahe kommt", sagt Dr. Frank Dittmann, Starkstromexperte am Deutschen Museum in München dem BR.

Ein zweites Problem bei Hochspannung: Es entsteht besonders viel Hitze, die Haut und Gewebe nicht nur an der Eintrittsstelle völlig zerstören kann. Leitungen, die Strom mit hohen Spannungen transportieren, sind deshalb normalerweise so hoch, dass kaum Kontakt entstehen kann. Dennoch gilt: Möglichst so viel wie möglich Abstand halten - bei Hochspannungsleitungen mindestens drei Meter.

Windräder und Strommast
Hochspannungsleitungen sind normalerweise in großer Höhe, und damit außer Reichweite, angebracht. (Archiv) Bildrechte: imago/Christian Ohde

Erste Hilfe bei einem Stromschlag

Für den Fall der Fälle, also wenn es einen Unfall mit oder durch elektrischen Strom gegeben hat, gibt es Verhaltensregeln vom Deutschen Roten Kreuz, an denen Sie sich orientieren können.

  • Notruf 112 tätigen.
  • Eigene Sicherheit beachten. Sie dürfen keinesfalls in den Stromkreis gelangen.
  • Stromkreis unterbrechen: Gerät oder Sicherung ausschalten/Stecker ziehen. Betroffenen mit nicht leitenden Hilfsmitteln (Decke, Holzstiel) von der Stromquelle wegziehen.
  • Den Betroffenen ansprechen, beruhigen und trösten.
  • Schutzhandschuhe anziehen.
  • Brandwunden keimfrei bedecken.
  • Bei Bewusstlosigkeit und vorhandener Atmung laut "Hilfe" rufen, um Umstehende auf die Notfallsituation aufmerksam zu machen.
  • Stabile Seitenlage ausführen.
  • Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beruhigen, trösten und beobachten, wiederholt Bewusstsein und Atmung prüfen.
  • Bei Bewusstlosigkeit und fehlender normaler Atmung Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen.
  • Bei Hochspannungsunfällen: Rettung nur durch Fachpersonal.

BRISANT/dpa/br/wdr/drk

(Dieser Beitrag wurde am 01.09.2021 erstmals veröffentlicht.)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 01. September 2021 | 17:15 Uhr

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