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Zu lange in der Sonne gefaulenzt – und was nun? Wir räumen mit den hartnäckigsten Irrtümern rund um den Sonnenbrand auf. Bildrechte: picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose

FaktencheckSonnenbrand? Das hilft jetzt wirklich!

16. Juli 2024, 17:38 Uhr

Jeder kennt es: Man hat sich gerade erst in die Sonne gelegt – frisch eingecremt, versteht sich. Und dann vergisst man die Zeit ... Die Bestrafung folgt in Form eines fiesen Sonnenbrandes. Wir verraten, wie Sie Ihre Haut jetzt am besten versorgen und nehmen ein paar Mythen und Haushaltsmittelchen rund ums Thema unter die Lupe.

Inhalt des Artikels:

Erste Hilfe bei Sonnenbrand

Oft merkt man zu spät, dass man sich längst einen Sonnenbrand eingefangen hat. Die Haut rötet sich, fühlt sich heiß an, pulsiert, spannt, schmerzt oder brennt. Und was nun? Greift man auf klassische Hausmittel wie Quark-Wickel und Joghurt-Kompressen zurück? Oder sind Omas Tipps doch gar nicht so wirkungsvoll? Wir haben die Antworten. 

Aber zunächst: Was ist ein Sonnenbrand überhaupt? Was passiert da eigentlich mit der Haut? 

Sonnenbrand: Symptome und Gefahren

Unter einem Sonnenbrand (Dermatitis solaris) verstehen Dermatologen eine akute Entzündung der oberen Hautschicht, die durch zu viel Sonnenlicht oder UV-Strahlung verursacht wird. Hierbei ist egal, ob diese von der Sonne oder aus anderen Quellen (z.B. Solariumröhren) stammt. 

Mittlerweile weiß fast jeder, dass man sich am besten täglich – egal ob die Sonne scheint oder der Himmel bewölkt ist – mit Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor (mindestens LSF 20, Kinder möglichst LSF 30) schützen sollte. Denn Sonnenschäden sind ernst. Sehr ernst sogar, wissen Experten: Sonnenbrände betreffen zwar in erster Linie die Epidermis, also die oberste Hautschicht. Aber auch in der Dermis, der darunter liegenden Schicht, kann es zu einer Entzündung kommen. Aggressive UV-Strahlen führen zu Entzündungen und im schlimmsten Fall zum Absterben von Hautzellen.

Bereits kleine Sonnenbrände verursachen bleibende Schäden an unserer DNA. Sonnenbrände können zu vorzeitiger Hautalterung führen. Und schlimmer noch: Sie können das Risiko, einmal an Hautkrebs zu erkranken, erheblich erhöhen.

Schlimme Sonnenbrände können nicht nur die Epidermis - also die oberste Hautschicht - sondern auch die Dermis angreifen. Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Sonnenbrand ist nicht gleich Sonnenbrand. Dermatologen unterscheiden zwischen drei Verbrennungs-Graden:

  • Grad 1: Die Haut ist gerötet, fühlt sich warm an, spannt und ist oft sogar leicht geschwollen.  
  • Grad 2: Auf der Haut bilden sich kleine Bläschen. Später beginnt sich die Haut zu schälen. Achtung! Brandblasen nie selbst öffnen, sonst kann es schnell zu einer bakteriellen Infektion kommen.
  • Grad 3: Es wird ernst: Bei Grad drei spricht man von schweren Verbrennungen der Haut. Die obersten Hautschichten sind zerstört, es bilden sich große Blasen, die Haut löst sich ab und es bilden sich Wunden. Diese verheilen nur langsam – meist unter Narbenbildung.


Bei einem großflächigen Sonnenbrand zweiten oder dritten Grades können weitere Symptome wie Fieber, Kreislaufprobleme, Schwindel oder Erbrechen hinzukommen. In diesem Fall sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. 

Wie behandelt man einen Sonnenbrand?

Zur Behandlung von leichten Sonnenbränden gibt es viele Möglichkeiten – und viele Hausmittelchen. Doch nicht alle Tipps und Ratschläge sind wirklich wirksam.

Das sind die größten Irrtümer zum Thema Sonnenbrand - und Tipps: 

Mythos 1: Erst wenn die Haut rot wird, ist sie verbrannt 

Falsch! Meist begeben wir uns erst aus der Sonne heraus, wenn die Haut einen roten Ton annimmt. Doch jegliche Verfärbungen deuten auf Verbrennungen hin. 

Auch wenn ein sommerlich brauner Teint als schön und gesund gilt, nimmt unsere Haut hier bereits Schaden. Denn Verfärbungen sind eine Abwehrreaktion der Haut, um die schädigenden UV-Strahlen abzuhalten. Außerdem addieren sich die negativen Folgen der Sonne auf lange Sicht. Regelmäßige Sonneneinstrahlung in geringen Dosen kann auch zu Hautkrebs führen.

Mythos 2: Männerhaut ist unempfindlicher

Diese Annahme kommt tatsächlich nicht von ungefähr: Männerhaut ist von Natur aus öliger, da sie mehr Fett, beziehungsweise Talg produziert. Das liegt am Testosteron. Männerhaut trocknet demnach nicht so schnell aus wie Frauenhaut, braucht aber trotzdem LSF … besonders auf dem Kopf. 

Da die Haare bei Männern mit dem Alter häufig lichter werden, kann auch am Kopf ein Sonnenbrand auftreten. Hier ist die Haut besonders dünn. Patienten mit Lichtschäden auf der Kopfhaut sind keine Seltenheit. 

Mythos 3: Ein warmes Bad lässt den Sonnenbrand verschwinden

Ein Bad am Abend nach dem Sonnenbaden und der Sonnenbrand verschwindet. Wenn es nur so einfach wäre. Fakt ist, dass dem Körper durch Sonne und Verbrennungen Flüssigkeit entzogen wird. Deshalb sollte man darauf achten, viel zu trinken, damit die Haut nicht weiter austrocknet. Auch ein lauwarmes Bad kann dabei helfen. Entscheidend ist hier die Temperatur. 

Nicht zu warm und nicht zu kalt ist die Devise – beides wäre nicht gut für den ohnehin angeschlagenen Kreislauf. Besser: Lauwarmes Wasser oder nasse Handtücher, die auf die betroffenen Stellen gelegt werden. 

Dennoch verschwindet dadurch der Sonnenbrand nicht – die Schmerzen und Spannungen werden nur etwas gelindert.

Mythos 4: Joghurt und Quark beruhigen die Haut 

Kalte Quark- oder Joghurtwickel sind ein bewährtes Hausmittel gegen Sonnenbrand. Doch die Wirkung hält sich in Grenzen. Die Milchsäure soll das Hautmilieu stabilisieren und die verbrannten Stellen beruhigen. Und ja, Quark und Joghurt haben einen kühlenden Effekt, doch die strapazierte Haut kann auch zusätzlich irritiert werden. Schlimmer noch: Ab Verbrennungs-Grad zwei besteht die Gefahr, dass Keime in die Wunden gelangen. Dieses Hausmittel also nur bei leichten Sonnenbränden anwenden. 

Tipp: ein kühles Molkebad kann helfen. Dafür Molkepulver aus der Apotheke oder Drogerie im lauwarmen Badewasser auflösen. Noch besser sind Kompressen und Wickel aus kaltem grünen, schwarzen oder Kamillentee. 

Mythos 5: Essig lindert Entzündungen

Ähnlich hartnäckig wie Quarkwickel hält sich das Gerücht um Essig und Zitrone gegen Sonnenbrand. Die betroffenen Stellen sollen demnach immer wieder mit in Essig oder Zitronensaft getränkten Wattepads betupft werden. 

Es stimmt: Essig kann dabei helfen, die Blutgefäße zusammenzuziehen. Doch für die geschädigte Haut ist dieses Hausmittel eher eine Foltermethode.

Essig hat einen pH-Wert zwischen zwei und drei, er ist also sehr, sehr sauer. Die Säure kann den durch die Sonne ohnehin schon beeinträchtigten Säureschutzmantel beschädigen. Dies kann zu weiteren Entzündungen führen. 

Klares Fazit: Hände weg von Zitrone und Essig bei Sonnenschäden!

Mythos 6: Sonnebrand sollte mit Vaseline oder Kokosöl eingerieben werden

Fast jeder hat zu Hause Vaseline parat. Der kleine Beauty- und Pflege-Allrounder ist universell einsetzbar – doch auch bei Sonnenbrand? 

Die klare Antwort: Nein! Vaseline soll eine Art Barriere bilden, die die Feuchtigkeit in der Haut hält. Doch nicht die Feuchtigkeit wird unter der Haut eingeschlossen, sondern die Hitze.  

Sonnenbrand: Das hilft wirklich

  • Erstmal: Schnellstmöglich raus aus der Sonne! Unsere Haut braucht jetzt vor allem eins: Abkühlung: Kühle Umschläge, lauwarmes Wasser zum Kühlen.
  • Natürliche Extrakte wie Aloe Vera, Ringelblume, Dexpanthenol, Vitamin E oder zinkhaltige Salben und Brandgele aus der Apotheke tun bei Verbrennungen eher gut, parfümierte Lotionen sind tabu.
  • Trinken Sie reichlich Wasser, denn durch den Sonnenbrand hat die Haut viel Flüssigkeit verloren.
  • In entsprechenden Fällen kann ein Arzt zur Entzündungshemmung Cortison-Creme oder -Salbe verordnen.

Aloe Vera (besonders in purer Form) kühlt und lindert den Schmerz. Bildrechte: picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose

Quellen und weiterführende Links

BRISANT
br.de
Die Techniker
Apotheken Umschau
Stiftung Gesundheitswissen
Bundesamt für Verbraucherschutz

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