Eine Frau sitzt auf dem Sofa und greift sich ans Herz
Herzinfarkt, Bluthochdruck und Insulinresistenz: Bei diesen Symptomen kann die Hormonumstellung der Wechseljahre eine Rolle spielen. Bildrechte: IMAGO/Pond5 Images

Was jetzt hilft Herzprobleme in den Wechseljahren - auf diese 4 Risikofaktoren sollten Sie achten

15. Mai 2024, 08:49 Uhr

Viele Frauen, die ab 40 unter Herzrasen leiden, ahnen nicht: Das kann mit den Wechseljahren zusammenhängen - ebenso wie Herzinfarkt, gefährlicher Bluthochdruck und Insulinresistenz. Bei all diesen Symptomen kann die Hormonumstellung dahinterstecken.

Was Frauen jetzt wissen müssen, was hilft - und wann eine Hormonersatztherapie eine Option sein kann:

Beate Maschke-Spittler
Bildrechte: Raphaela Fietta

Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen hält das Herz gesund und die Gefäße elastisch. Solange sich Frauen in der fruchtbaren Phase ihres Lebens befinden, sind sie durch ihren hohen Östrogenspiegel vor vielen Herz-Kreislauf-Problemen gut geschützt.

Doch das ändert sich in den Wechseljahren - mit gefährlichen Folgen.

Frauen sterben häufiger als Männer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Vor allem nach den Wechseljahren - wenn das Östrogen sich auf einem sehr niedrigen Stand eingepegelt hat - steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder die koronare Herzkrankheit deutlich an.

Allerdings werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen immer noch unterschätzt: Aktuell sterben sogar mehr Frauen als Männer an den Folgen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Herzinfarkte - warum sie bei Frauen seltener erkannt werden

Bei Frauen treten Herzinfarkte wegen der guten Schutzwirkung durch das Östrogen durchschnittlich rund zehn Jahre später auf als bei Männern, werden allerdings seltener erkannt und daher auch oft nicht schnell genug behandelt.

Der Grund dafür: Bei Frauen können andere Symptome auftreten. Übelkeit, Erbrechen, extreme Müdigkeit, Atemnot, Rückenschmerzen, Schulterschmerzen oder ein ungewöhnliches Gefühl im Bauch sind bei ihnen manchmal statt der vermeintlich typischen Brustschmerzen präsent.

Herz-Expertin Prof. Dr. Sandra Eifert kämpft für mehr Bewusstsein rund um den weiblichen Herzinfarkt:

Im Jahr 2008 war die Überlebensrate der Frauen etwa halb so groß wie die der Männer, obwohl die Frauen ja viele Jahre gut geschützt sind! […] Es ist besser geworden, weil bestimmte Risikofaktoren mehr untersucht werden, aber eben auch, weil sich die Diagnostik und Therapie unter dem Geschlechteraspekt verbessert hat.

Prof. Dr. Sandra Eifert, Oberärztin am Herzzentrum in Leipzig, Herzchirurgin und widmet sich der Gendermedizin Podcast "Hormongesteuert"

Prof. Dr. Sandra Eifert
Prof. Dr. Sandra Eifert, Oberärztin am Herzzentrum in Leipzig, ist Herzchirurgin und widmet sich der Gendermedizin. Bildrechte: Michael Bader

Viele Frauen leiden in der Zeit der Wechseljahre auch unter plötzlichem Herzrasen, hohem Puls, Herzstolpern. Diese Symptome stehen jedoch nicht im Zusammenhang mit einem Herzinfarkt, sondern haben zumeist keine organische Ursache, sagt Dr. Sandra Eifert. Ärztlich abgeklärt werden sollten sie dennoch.

Risikofaktor Bluthochdruck: Gefahr für Herz und Kreislauf

Bei vielen Frauen in und nach den Wechseljahren steigt auch der Blutdruck an - das kann die Gefahr für Herz und Kreislauf stark erhöhen.

Wichtig zu wissen: Bislang wurden für alle Geschlechter Blutdruckwerte von über 140 zu 90mmHg als riskant angesetzt - doch Studien zeigen nun: Bereits bei Blutdruckwerten, die unter 130 liegen, ist das Risiko für Frauen erhöht, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden. "Das heißt, dass wir bei den Frauen bei dem Grenzwert nach oben viel strenger sein sollten", sagt Sandra Eifert.

Was hilft? Neben sinkenden Hormonwerten in den Wechseljahren ist auch falsche Ernährung ein Hauptgrund für gefährlichen Bluthochdruck, ebenso mangelnde Bewegung und Übergewicht.

Verschiedene Zutatet zur mediterranen Küche
Ideal bei Bluthochdruck: die MIttelmeerküche mit Gemüse, guten Ölen und Fisch. Bildrechte: IMAGO/Zoonar

Ideal ist bei Bluthochdruck die sogenannte Mittelmeerküche mit viel Gemüse, Obst und Fisch, außerdem gute Öle.

Ebenso kann man mit Sport und Alltagsbewegung die Werte senken.

Mit einer Hormonersatztherapie in oder nach den Wechseljahren kann der Blutdruck nicht gesenkt, oftmals aber besser eingestellt werden, ergänzt Frau Dr. Schaudig im Podcast "Hormongesteuert".

Hormonersatztherapie Bei der Hormonersatztherapie (HRT oder HET) wird der in den Wechseljahren entstehende Hormonmangel künstlich durch Medikamente ausgeglichen und will gezielt die östrogenmangelbedingten Beschwerden und Erkrankungen der Wechseljahre beseitigen.

Die Behandlung mit Hormonpräparaten ist dazu gedacht, bestimmte Symptome in den Wechseljahren zu lindern, wie zum Beispiel Hitzewallungen, Schlafstörungen oder urologische Beschwerden.

Frau misst sich den Blutdruck
Ab 50 sollten Frauen verstärkt auf den Blutdruck achten. Bildrechte: IMAGO/BSIP

Risikofaktor Bauchfett und Insulinresistenz in den Wechseljahren

Viele Frauen in den Wechseljahren beobachten eine Gewichtszunahme - insbesondere am Bauch. Tatsächlich: Die Zunahme des Bauchfetts hängt mit dem Östrogenmangel zusammen und auch mit einer möglichen Insulinresistenz. Diese verursacht einen erhöhten Blutzuckerspiegel und kann zu Typ-2-Diabetes führen.

Was viele nicht wissen: Das Fett im Bauchraum, das viszerale Fett, produziert Hormone und Substanzen, die Entzündungen fördern und so das Immunsystem schwächen.

Durch den Mangel an Östrogen vermehrt sich dieses Bauchfett stärker. Der Mangel an Östrogen verschlechtert die Empfindlichkeit der Zellen auf Insulin. Und in dem Moment, wo die Zellen schlechter auf Insulin reagieren, entsteht die Insulinresistenz.

Dr. Katrin Schaudig, Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft Podcast "Hormongesteuert"

Frauenärztin Katrin Schaudig
Frauenärztin Dr. Katrin Schaudig ist Expertin im MDR-Podcast "Hormongesteuert". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was hilft? Insulinresistenz-Betroffene können mit Sport und Ernährung ihre Werte verbessern. Pflanzliche Öle, Nüsse und Samen sind als Fettquellen gegenüber tierischen Fetten zu bevorzugen. Eine Ausnahme ist fetter Seefisch wie Lachs, Hering oder Makrele: Die hier enthaltenen Omega-3-Fettsäuren können einer Insulinresistenz aktiv entgegenwirken.

Auch sportliche Betätigung, besonders am Abend, wirkt sich auf die Insulinresistenz aus.

Eine Hormontherapie kann ebenfalls eine Option sein: "Studien sagen durchweg: Frauen, die Hormone nehmen, verbessern ihre Insulinsensitivität, kriegen seltener Diabetes, und zwar 30 bis 50 Prozent seltener", so Dr. Katrin Schaudig im Podcast "Hormongesteuert".

Risikofaktor Cholesterin und Blutfette - dieser Wert ist besonders wichtig!

Ihre Blutfettwerte sollten Frauen ab 50 ebenfalls gut im Blick halten, denn auch diese steigen in und nach den Wechseljahren häufig an.

Darüber hinaus gibt es aber noch einen anderen Faktor, der den Fettstoffwechsel beeinflusst: das Lipoprotein a. Ein hoher Lp(a)-Spiegel kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Dieser Wert ist zwar vor allem genetisch bedingt, neue Studien haben jedoch ergeben, dass dieser besonders bei Frauen nach der Menopause ansteigen kann - Frauen sollten diesen Wert ab 50 vom Arzt bestimmen lassen.

Risikofaktor Arterienverkalkung: Oft Ursache für Herzinfarkt

Arteriosklerose - umgangssprachlich Arterienverkalkung - ist die Hauptursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit ein wesentlicher Faktor für Herzinfarkte. Auch für die Blutgefäße hat Östrogen einen Schutzeffekt, der dann mit den Wechseljahren wegfällt.

Was hilft? Arteriosklerose ist zwar nicht heilbar, aber eine bewusste Ernährung, Gewichtsabnahme und ausreichend Bewegung können unterstützen.

Aktuell wird eine Hormonersatztherapie zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen laut offizieller Leitlinien nicht empfohlen.

Falls eine Frau in Rücksprache mit ihrem Arzt eine Hormonersatztherapie in Erwägung zieht, sollte frühestmöglich damit begonnen werden, so Dr. Schaudig:

"Wenn man einen Schutzeffekt haben will, dann muss man mit der Hormonersatztherapie beginnen, wenn der Hormonmangel gerade einsetzt. Wenn man zu lange wartet, hat man keinen schützenden Effekt mehr."

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. Mai 2024 | 17:15 Uhr

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