Frontansicht des Buckingham Palace in London mit dem Wappen des Vereinigten Königreichs
Der Familienname trügt: "Windsor" nannte sich das britische Königshaus erst Anfang des 20. Jahrhunderts - um seine deutschen Wurzeln auszuradieren. Bildrechte: dpa

Very british? König Charles III. und seine deutschen Wurzeln

18. Oktober 2023, 10:35 Uhr

Im März verweilte König Charles III. drei Tage in Deutschland. Zeit, um Verwandte zu treffen, hatte er bei seinem vollbepackten Terminkalender wohl nicht. Dabei gäbe es genügend Familienmitglieder, denen er einen Besuch abstatten könnte. Denn was viele nicht wissen: Die britischen Royals sind eigentlich ziemlich deutsch.

Charles' erste Reise als König führte ihn nach Deutschland - Zufall? Wohl kaum: Tatsächlich blickt das britische Königshaus auf eine lange deutsche Geschichte zurück. Auch den Namen "Windsor" tragen die Royals noch nicht lange. BRISANT begibt sich auf Zeitreise.

Sachsen-Coburg und Gotha statt Windsor

Am 17. Juli 1917 informierte der britische König George V., Großvater von Queen Elizabeth II., seine Untertanen: "Fortan sollen unser Haus und unsere Familie als Haus und Familie von Windsor bezeichnet werden."

Was heute fast vergessen ist: George V. entstammte nicht etwa britischen Adel, seine Vorfahren kamen aus einem Adelsgeschlecht an der Grenze zwischen Franken und Thüringen: dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Nach dem Ersten Weltkrieg wollte das britische Königshaus seine deutsche Vergangenheit allerdings gerne vertuschen - und benannte sich kurzerhand um. Das Haus Windsor war geboren.

Der Schritt war drastisch - erwies sich aber rückblickend als Glücksfall. Ein einschneidendes Erlebnis für die Royal Family: Bei einem Luftangriff im Juni 1917 zerstörten die Deutschen eine Schule, achtzehn Kinder wurden getötet. Ein Langstreckenbomber des Typs "Gotha" ließ die Bomben fallen. Das Flugzeug des Feindes hieß genauso wie die königliche Familie. Die Presse in Großbritannien machte Stimmung gegen die Königsfamilie. Premierminister Lloyd George bezeichnete den König abfällig als "meinen kleinen deutschen Freund".

Maria, Herzogin von York, Prinz Albert Victor,, Königin Victoria, circa 1893
König Georg V. (Enkel von Queen Victoria, rechts im Bild) gab dem britischen Königshaus seinen heutigen Namen. Bildrechte: IMAGO / Everett Collection

Die britische Krone und das Haus Hannover

Die Verbindungen zum deutschen Adel reichen bis tief ins 18. Jahrhundert zurück: Der erste Deutsche wurde bereits 1714 zum britischen König gekrönt - George I..

Denn nachdem seine Vorgängerin Königin Anne kinderlos starb, verlor das Haus Stuart seinen Anspruch auf die Krone. Der deutsche Kurfürst Georg Ludwig von Hannover wurde kurzerhand zum König ernannt. Beliebt war er nicht beim Volk. Lag wohl auch daran, dass er mehr schlecht als recht Englisch sprach. Bezeichnend: 1727 verstarb er auf einer Reise in seine deutsche Heimat. Georgs Nachfahren regierten danach mehr als hundert Jahre das Empire.

Noch heute wirbt Gotha seine Touristen übrigens mit dem Slogan "Gotha adelt".

König George I.
König Georg I. blieb seiner deutschen Heimat stets verbunden und konnte sich nur schlecht in England eingewöhnen.
Bildrechte: IMAGO / Heritage Images

Und dann kam Queen Victoria

Im 19. Jahrhundert fehlte es der hannoverischen Linie an männlichen Nachkommen. Die Folge: Königin Victoria bestieg 1837 den Thron - mit gerade einmal 18 Jahren. Sie war die Nichte des vorherigen Regenten und sollte zu einer der ganz großen Galionsfiguren der britischen Geschichte werden.

Königin Victorias Mutter stammte aus Deutschland, weshalb Victoria in ihren ersten drei Lebensjahren nur Deutsch sprach. Laut dem Goethe-Institut wurde sie außerdem von der deutschen Baronin Louise Lehzen großgezogen und erhielt in ihrer Schulzeit privaten Deutschunterricht. Später sprach Königin Victoria aufgrund ihrer politischen Stellung vor allem Englisch - wenn auch mit starken deutschen Akzent. Außerdem beherrschte sie noch die französische, italienische und lateinische Sprache.

Einen geeigneten Ehemann fand sie in Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha - ein deutscher Cousin. Untereinander sprach man ausschließlich Deutsch.

Der erstgeborene Sohn von Victoria und Albert, König Edward VII., war der erste britische Regent aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Auf ihn folgte George V., der im Weltkrieg den deutschen Namen ablegte. 

Denkmal von Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha
Auch heute noch steht in Gotha eine Statue von Prinz Albert. Man ist stolz auf seinen Briten-Export. Bildrechte: dpa

Königshaus auch heute noch deutsch geprägt

Jahrzehnte später heiratete die spätere Queen Elizabeth II. Prinz Philipp von Griechenland und Dänemark. Doch der Titel täuscht: Ursprünglich stammte Philip aus den Häusern Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und Battenberg - alter hessischer Adel. Queen Mum nannte Philip wegen seiner Herkunft in frühen Jahren abschätzig "den Hunnen". Der Name "Battenberg" wurde ebenfalls im Ersten Weltkrieg angepasst. Philip hieß fortan "Mountbatten". Seine vier Schwestern heirateten allesamt deutsche Adelige.

Als Philip 1947 selbst heiratete, waren keine Verwandten anwesend. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wollten sich die britischen Royals möglichst von Deutschland distanzieren.

Die königlichen Familie auf dem Balkon des Buckingham Palastes (1947)
Traurig: Zur Hochzeit war Philips deutsche Familie unerwünscht. Bildrechte: dpa

Dennoch, oder gerade deswegen soll Prinz Philip, der fließend Deutsch sprach, bis zu seinen Tod den Kontakt zu den Nachfahren seiner Schwestern aufrechterhalten haben. Als Philip 2021 starb, nahmen auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin auch drei seiner deutschen Verwandten an der Trauerfeier teil.

Auch Charles spricht Deutsch, wenn auch vielleicht nicht ganz so perfekt wie sein Vater einst. Bei seinem Deutschlandbesuch soll Charles der erste Monarch sein, der im Deutschen Bundestag eine Rede auf Deutsch hält.

(Dieser Beitrag wurde erstmals am 29.03.23 veröffentlicht.)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 29. März 2023 | 16:30 Uhr

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