Überstunden und Mail vom Chef So gelingt die Urlaubs-Erholung trotz Arbeitsstress

10. Juli 2024, 17:54 Uhr

Beate Maschke-Spittler
Bildrechte: Raphaela Fietta

Endlich Urlaub! Viele von uns fiebern diesen Wochen entgegen und sehnen sich nach Erholung. Doch fast einem Viertel der Arbeitnehmer gelingt das nicht, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Krankenkasse Pronova BKK zeigt: Nach eigener Einschätzung kehren 24 Prozent der Befragten nur wenig ausgeruht aus ihrem Urlaub zurück, weitere 19 Prozent fühlen sich lediglich "mäßig erholt":

60 Prozent sind gestresst: Schlechtere Erholung durch ständige Erreichbarkeit

  • 60 Prozent der Befragten empfinden den erhöhten Arbeits-Stress vor und nach dem Urlaub besonders belastend.
  • Rund die Hälfte der Teilnehmer checken auch im Urlaub ihre Mails. 
  • Knapp zwei Drittel werden während der freien Zeit auch im beruflichen Zusammenhang kontaktiert.
  • Und noch bevor der Urlaub dann wirklich vorbei ist, schiebt sich der Job erneut in den Fokus: 62 Prozent der Befragten sind meist schon ein bis zwei Tage vor dem Ende der Ferien gedanklich wieder bei der Arbeit.


Wie gelingt die Abgrenzung von der Arbeit im Urlaub besser? Darf mich der Chef oder die Chefin in den Ferien eigentlich kontaktieren?
Wir haben Infos und Tipps, damit die schönste Zeit des Jahres auch wirklich Erholung bringt!

Frau mit Laptop am Strand
Wer im Urlaub Mails beantworten muss, ist nicht wirklich im Erholungs-Modus. Bildrechte: IMAGO / Pond5 Images

E-Mails und Arbeit im Urlaub: Was ist erlaubt?

In Ihrer Firma gilt es als ungeschriebenes Gesetz, auch im Urlaub erreichbar zu sein? Mal eine Mail zu beantworten oder sich Zeit für einen kurzen Online-Termin zu nehmen? Dann ist es nicht leicht, sich abzugrenzen - doch das Recht ist hier klar auf der Seite der Arbeitnehmer: Im Bundesurlaubsgsetz (BUrlG) ist ausdrücklich festgelegt, dass die "Hauptleistungspflicht der Beschäftigten" im Urlaub ruht.

Mit anderen Worten: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben ein Recht auf Nichterreichbarkeit im Urlaub. Und das bedeutet, sie müssen während ihres gesetzlichen Erholungsurlaubs keine Anrufe beantworten und sind nicht verpflichtet, ihre Mails zu checken.

Arbeitet man doch, muss der Urlaub entsprechend nachgeholt werden. Das gilt auch, wenn der Chef oder die Chefin direkt nach dem Urlaub ein Arbeitsergebnis erwartet, das nur zu erreichen ist, wenn während des Urlaubs gearbeitet wird.

Arbeitsorganisation vor und nach dem Urlaub

Droht Stress, weil vor dem Urlaub noch so viel abgearbeitet werden muss? Zumindest ein bisschen kann man das Abpuffern - durch gutes Zeitmanagement und klare Absprachen:

  • Überlegen Sie, statt nur einer Vertretung zwei Kolleginnen oder Kollegen einzubeziehen - so lastet nicht alles auf einer Person und es kann ganz genau festgelegt werden, wer für was zuständig ist während Ihrer Abwesenheit.
  • Schauen Sie schon einmal, welche Projekte nach der Rückkehr anstehen und versuchen Sie, dafür bereits etwas vorzubereiten - das entlastet den Einstieg nach dem Urlaub.
  • Legen Sie sich für die ersten Tage nach den Ferien wenig Termine oder blockieren Sie Zeiten im Kalender, um E-Mails abzuarbeiten oder sich auf den neuesten Stand zu bringen.

Während des Urlaubs: Erholung und gesunde Distanz

  • Sie müssen ständig an die Arbeit denken? Setzen Sie sich ein bewusstes und klar abgegrenztes Zeitfenster für die Gedanken an den Job, vielleicht eine kurze Zeitspanne nach dem Frühstück. Kommen die Gedanken über den Tag dennoch, können Sie üben, diese innerlich gut in diesen Mini-Termin zu "verbannen“.
  • Bewusst offline gehen - zumindest zeitweise: Der Klang eingehender Nachrichten kann stressen - auch, wenn es nur private News sind. Deshalb: Schalten Sie das Handy auf Flugmodus, so haben Sie ihr Mobiltelefon zum Fotografieren trotzdem dabei. Auch hier gilt: Nehmen Sie sich einen bestimmten Zeitrahmen, um Nachrichten zu checken, danach geht es wieder in die schöne Offline-Urlaubswelt.
  • Mal was anderes als Zuhause: Die Stressforschung zeigt, dass sich Menschen am besten erholen, wenn sie im Urlaub auf Aktivitäten setzen, die im Kontrast zum sonstigen (beruflichen) Alltag stehen. Wer viel am Computer sitzt, könnte also aktiv werden, wer viel Kundenkontakt hat, genießt nun vielleicht lieber die Ruhe.
  • Kleine Herausforderungen helfen ebenfalls beim Abschalten: Vielleicht probieren Sie einen Surf-Kurs oder eine unbekannte Wanderroute im Urlaub? Diese Mini-Abenteuer scheinen im ersten Moment der Erholung entgegen zu stehen, helfen aber dabei, die so wichtige Distanz vom Alltag zu erreichen.

Frau beim Wandern im Gebirge
Anstrengende Bergtour? Kleine Herausforderungen helfen bei der Erholung. Bildrechte: IMAGO / Zoonar

Nach dem Urlaub: So bleiben Sie entspannt

  • Wer im Alltag stets auf Hochtouren läuft und sich in 14 Tagen Urlaub komplett erholen will, der wird enttäuscht werden: Besser ist es, auch im täglichen Leben auf gute Erholung und Entspannung zu achten. Kleine Auszeiten und ein gutes Stressmanagement sind die beste Urlaubsvorbereitung!
  • Die Ferienstimmung so lange wie möglich konservieren? Das gelingt mit leckeren Gerichten aus dem Urlaub, die sie Zuhause nachkochen können oder einem kleinen Foto-Album, das mit den schönsten Bildern auch die Erinnerungen wachhält.
  • Der "Kurze-Wochen-Trick": Wer es organisieren kann, sollte sich schon den Freitag der letzten Arbeitswoche und die ersten Tage der Rückkehrwoche freihalten. Damit bauen Sie sich selbst eine Brücke in die Erholung und zurück in die Arbeitswoche. Dann ist das Wochenende, also die nächste Erholungspause, nicht mehr so weit entfernt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. Juli 2024 | 17:20 Uhr

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