Menschen sitzen in einer Gruppentherapie im Kreis
Die Anonymen Alkoholiker haben weltweit Selbsthilfegruppen. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Alkohol-Problem 70 Jahre Anonyme Alkoholiker - So funktionieren die Gruppen

13. Februar 2024, 10:46 Uhr

Seit fast 90 Jahren gibt es die Anonymen Alkoholiker in den USA, seit 70 Jahren sind sie auch in Deutschland aktiv. 2006 hatte die Selbsthilfegruppe schätzungsweise zwei Millionen Mitglieder. Was macht ihre Methode so erfolgreich und wie kann man selber mitmachen?

Wer sind die Anonymen Alkoholiker?

Die AA sind eine Selbsthilfegruppe von Menschen, die an Alkoholismus erkrankt sind. In der Gemeinschaft arbeiten sie daran, nüchtern zu werden und abstinent zu bleiben. Die Unterstützung der Mitglieder untereinander wird dabei großgeschrieben.

Wer Alkoholiker ist, wollen die AA jedoch nicht entscheiden, das muss jeder für sich selbst tun. Es gibt aber einen Fragenkatalog, der dabei helfen soll, diese Einschätzung zu treffen.

Wie wird man Mitglied bei den Anonymen Alkoholikern?

Um Mitglied bei den AA zu werden, muss man lediglich Kontakt aufnehmen oder zu einem Treffen gehen. Das ist kostenlos. Es gibt keinen Mitgliedsbeitrag und keinen Zwang.

Allerdings schreiben die AA auf ihrer Webseite, dass die Mitglieder die Kosten für "die Miete unserer Räumlichkeiten, die Druckkosten der Prospekte und anderer AA-Literatur bezahlen müssen".

Zwei Zuschauer halten Plastikbecher mit Bier in der Hand.
Wer zu den Anonymen Alkoholikern geht, muss nicht trocken sein, aber den Wunsch haben, mit dem Trinken aufzuhören. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO/Hanno Bode

Was macht die Anonymen Alkoholiker so erfolgreich?

Die AA arbeiten nach dem sogenannten 12-Punkte-Programm, das sich darum dreht, freiwillig, zwölf Punkte durchzuarbeiten. Mitglieder der AA müssen aber nicht am Programm teilnehmen, um zu den Treffen zu kommen.

Die Punkte sind eine Art Glaubensbekenntnis zur Heilung. Dazu gehört es, sich einzugestehen, dass man ein Problem hat, aber auch die Bereitschaft, Verhaltensweisen zu ändern und andere, denen man Schaden zugefügt hat, um Verzeihung zu bitten.

Dass das System der Anonymen Alkoholiker funktioniert, zeigen die zahlreichen abstinenten Mitglieder. Es gibt aber auch eine Studie, die andere Studien zu den AA auswertet und zu dem Ergebnis kommt: Das System ist mindestens so wirksam wie andere psychologische Therapien, bei langfristiger Abstinenz sogar besser.

Insgesamt haben an den Studien 10.500 Teilnehmer mit gefährlichem Alkoholkonsum oder Alkoholabhängigkeit teilgenommen. Die Studien hatten alle das Konzept der AA mit anderen psychologischen Therapien, zum Beispiel der kognitiven Verhaltenstherapie, verglichen.

Mann und Frau sitzen sich gegenüber
Wer nicht zu den Anonymen Alkoholikern gehen möchte, kann natürlich auch andere Therapiemöglichkeiten wahrnehmen. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO/Westend61

Alternativen zu den Anonymen Alkoholikern

Die Techniken der AA haben die Gründer von der sogenannten "Oxford-Gruppe" abgeleitet, einer religiösen Gemeinschaft, die daran glaubt, durch Persönlichkeitsveränderung auch die Welt verändern zu können. Inzwischen haben sich die AA aber von der Oxford-Gruppe distanziert, weil sie Missionierung ablehnen.

Dennoch kritisieren manche, dass Spiritualität bei den AA eine zu große Rolle spielt. Wer andere Angebote wahrnehmen möchte, kann sich bei regionalen Suchtberatungsstellen informieren und nach Selbsthilfegruppen oder Therapeuten in seiner Nähe suchen. Auch das geht anonym und ist kostenlos.

Suchtprobleme Wer glaubt, selbst ein Suchtproblem zu haben oder andere bei der Bewältigung von Suchtproblemen unterstützen will, kann sich an Suchtberatungsstellen in ganz Deutschland wenden. Mehr Infos dazu gibt es auf der Webseite der Deutschen Suchthilfe.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | BRISANT Classix | 13. Februar 2024 | 18:10 Uhr

Weitere Themen