Eine Frau wirft eine Kleiderspende in einen Altkleidungscontainer
Achten Sie bei Altkleidercontainern auf Adresse und Festnetznummer. Bildrechte: IMAGO/Rolf Poss

Second hand Spenden, verkaufen, entsorgen: Wohin mit gebrauchten Klamotten?

05. Februar 2024, 11:25 Uhr

Secondhand liegt offenbar im Trend: Private Haushalte in Deutschland nahmen im Jahr 2021 laut dem Statistischen Bundesamt im Schnitt 35 Euro pro Monat durch den Verkauf von gebrauchten Waren ein. Ob wegen gestiegener Preise oder im Sinne der Nachhaltigkeit: Viele machen Überflüssiges zu Geld. Ganz oben auf der Liste: Klamotten.

Viele der abgewählten Stücke sind noch gut in Schuss, modisch nicht aus der Zeit gefallen und zu schade zum Wegwerfen. Wohin also damit? Und wann lohnt es sich, bereits getragene Kleidung zu verkaufen?

Marie Nasemann 5 min
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Mi 26.01.2022 17:51Uhr 05:27 min

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Altkleider an Kleiderkammern spenden

Nachhaltig und Ressourcen sparend ist es, gebrauchte Kleidung an soziale Einrichtungen in der Nähe zu geben. Sogenannte Kleiderkammern versorgen Bedürftige in der Region mit getragenen, aber gut erhaltenen Kleidungsstücken. Sprich: Die Kleidung wird nicht weiterverarbeitet oder CO2-intensiv in andere Länder geschickt, sondern tatsächlich getragen oder zum Tragen weiterverkauft.

Der Haken: Auch die eine oder andere Kleiderkammer quillt bereits über. Fragen Sie vorher nach, ob und welche Kleidung tatsächlich benötigt wird, bevor Sie vorbeifahren. Deutschlandweit werden Kleiderkammern u. a. von der Caritas, dem Deutschen Roten Kreuz oder der Heilsarmee betrieben.

Soziale Einrichtungen, die sich in der Regel über Kleiderspenden freuen und diese an Bedürftige weitergeben, sind zum Beispiel die Arbeiterwohlfahrt, die Johanniter, die Malteser, die Bahnhofsmission, die Kirchen, Sozialkaufhäuser und die regionale Flüchtlingshilfe.

Schriftzug "Kleiderkammer" steht an der Wand einer Kleiderausgabe
Kleiderkammern geben gut erhaltene Second-Hand-Ware direkt an Bedürftige weiter. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen

Gebrauchte Kleidung online spenden

Wer keine Gelegenheit hat, seine gebrauchte Kleidung vor Ort abzugeben, kann sie auch verschicken: Die Deutsche Kleiderstiftung verteilt beispielsweise als gemeinnützige Organisation gebrauchte und neue Kleidung und nimmt Spenden per Paket an.

Mit den Kleiderspenden und den Erlösen aus der Verwertung werden Kleiderkammern und soziale Projekte im In- und Ausland unterstützt. Der Versand der gebrauchten Kleidung ist für den Absender kostenlos.

Kisten mit gebrauchter Kleidung warten in einem Secondhand-Laden in New York darauf, preislich bewertet und sortiert zu werden.
Gebrauchte Kleidung kann sowohl online als auch analog verkauft werden. Bildrechte: imago images/Levine-Roberts

Nicht alle Altkleider werden wiederverwendet

Früher war es gang und gäbe nicht mehr benötigte Kleidung im Altkleidercontainer zu entsorgen. Doch die sind in den letzten Jahren immer wieder in Verruf geraten. Greenpeace zufolge soll ein Großteil der abgegebenen Kleidungsstücke nach Ost- und Westafrika exportiert werden. Dort werden demnach viele Altkleider nicht verwendet, weil sie für das Klima ungeeignet, kaputt oder verschmutzt seien.

Laut der Verbraucherzentrale ist der Altkleidermarkt ein Millionengeschäft. Auch seriöse Altkleidersammler verkaufen die Altkleider teilweise weiter, denn nicht alle Kleider können an Bedürftige vergeben werden. Mit den Erlösen kann man dann zum Beispiel Nahrungsmitteln oder Zelte kaufen.

Wie erkenne ich unseriöse Sammlungen?

Damit wollen allerdings auch unseriöse Formen Geld machen. Sie werben mit Wohltätigkeit, wirtschaften aber in die eigene Tasche.

Deshalb sollte man seine Altkleider nur in Container werfen, auf denen eine deutsche Adresse und eine Festnetznummer angegeben sind. Seriöse Sammelstellen erkennt man außerdem an dem BVSE Qualitätssiegel Alttextilsammlung, dem DZI Spendensiegel oder dem Siegel FairWertung.

Auch das Logo einer lokalen Abfallbehörde bürgt für einen seriösen Umgang mit der Kleiderspende. Kommunale Sammelstellen nutzen den Gewinn beispielsweise, um Müllgebühren zu finanzieren. Auch bei Sammlungen an der Haustür, in Säcken oder aufgestellten Körben ist Vorsicht geboten - hier gibt es sowohl seriöse als auch unseriöse Anbieter. Auch hier sollte man auf Festnetznummer und Adresse achten.

Malteser Kleidercontainer läuft über, Säcke mit Altkleidern liegen davor.
Wird die gespendete Kleidung wirklich für einen guten Zweck genutzt? Prüfen Sie, wer den Container aufgestellt hat. Bildrechte: imago images/Sämmer

Altkleidercontainer - was darf rein?

Leider kommt es immer wieder vor, dass Altkleider- mit Müllcontainern verwechselt werden. Gut erhaltene Kleidung, Bett- und Tischwäsche, Gardinen, Hüte, Handschuhe, Vorhänge, Gürtel, Taschen, Plüschtiere und paarweise gebündelte Schuhe sind als Kleiderspende willkommen. Jede Spende sollte in eine Plastiktüte verpackt sein, um sie vor Verschmutzung und Nässe zu schützen.

Nasse oder schmutzige Kleidung, Stoff- und Wollreste oder abgetragene Schuhe haben im Altkleidercontainer nichts zu suchen. Sie gehören übrigens auch nicht in die Restmülltonne, sondern auf den kommunalen Wertstoffhof.

Gebrauchte Kleidung verkaufen

Secondhand ist nachhaltig und schont den Geldbeutel. Vor allem Kinder wachsen viel zu schnell aus ihrer Kleidung heraus, ohne sie abgetragen zu haben. Ist Kleidung gut erhalten, lässt sie sich in der Regel problemlos weiterverkaufen. Entweder über Secondhand-Läden, auf Flohmärkten oder auf Gebrauchtwaren-Seiten wie Ebay Kleinanzeigen, Vinted, Vestiaire Collective, Rebelle, Mädchenflohmarkt oder Momox Fashion.

Weniger und besser einkaufen!

Wie für alles andere gilt auch in Sachen Kleidung: Der beste Müll ist derjenige, der gar nicht erst entsteht. Die Modeindustrie macht es uns mit günstiger Fast-Fashion nicht leicht, standhaft zu bleiben. Aber ständig ein neuer Look - muss das wirklich sein? Deutlich nachhaltiger ist es, hochwertige Kleidung zu erwerben, die möglichst lang getragen werden kann.

Damit Kleidung lange hält, sollte man sie nicht so oft waschen, trocknen und bügeln, sondern lieber mal auf dem Balkon auslüften. Wenn mal ein Knopf abreist oder ein kleines Loch auftaucht, sollte man selbst Hand anlegen oder eine Änderungsschneiderei besuchen. Und wer doch nicht auf Neues verzichten kann: Wie wäre es mit einer Kleidertauschparty?

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Ein neues Gesetz macht private Onlineverkäufe transparent. Bildrechte: IMAGO/Bihlmayerfotografie

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