Mädchen mit Kopfhörern mit einem Glas Kakao
Das Verbraucher-Magazin "Öko-Test" hat Kakaopulver getestet. Das wohl bekannteste Pulver fiel dabei durch. Bildrechte: Colourbox.de

Testurteil ungenügend Dieser Kakao für Kinder ist mit Schadstoffen belastet

19. Oktober 2023, 19:54 Uhr

Zum Frühstück einen Kakao - das ist vor allem bei Kindern als Getränk besonders beliebt. Das Verbraucher-Magazin "Öko-Test" hat sich verschiedene Kakaopulver-Sorten mal genauer angeschaut und kommt zu einem unschönen Ergebnis.

Die Zeitschrift "Öko-Test" hat in einem Test Kakaopulver verschiedener Anbieter getestet. Von insgesamt 16 getesteten Produkten konnte keiner mit einer guten Bewertung abschneiden. Zwei von ihnen wurden sogar mit "ungenügend" bewertet. Nur drei Produkte bekamen das Urteil "befriedigend" - die Bestnote in diesem Test.

Nicht nur, dass die Hauptzutat in den meisten Produkten Zucker ist, in vielen der getesteten Produkte konnten Schadstoffe in Form von Cadmium und gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen nachgewiesen werden. Des Weiteren kritisiert "Öko-Test" den teilweise deutlich zu hohen Zuckergehalt in den Produkten, gerade mit Blick auf die auf Kinder ausgelegte Optik der Kakaopulver.

Schadstoffe im Kakao

Cadmium ist ein Schwermetall, dass natürlich in der Erdkruste vorkommt. Dass Cadmium in der Kakaopflanze vorkommt, liegt wahrscheinlich an den cadmiumreichen vulkanischen Böden, auf denen die Kakaopflanze angebaut wird. Allerdings reichert sich das Schwermetall vor allem in Leber und Niere an und kann langfristig zur Schädigung der Organe führen.

Mineralölkohlenwasserstoff (MOSH), also Mineralölbestandteile, können beispielsweise durch Schmierstoffe in Lebensmittel gelangen. Diese Schmierstoffe kommen vor allem in der Lebensmittelverpackung zu Einsatz und somit die Mineralölbestandteile in die Lebensmittel. Durch die Aufnahme von Mineralölbestandteilen kommt es im Körperfett zur Anreicherung dieser Substanz. Vor allem an Leber, Herzklappen und Lymphknoten können diese Anreicherungen zu Schäden führen.

Besonders schlecht beim Test schnitten die Kakaopulver der Hersteller Nestlé "Nesquik" und "Caribo Bio Trink Kakao" von Mount Hagen mit einem "ungenügend" ab. In beiden Produkten konnte ein erhöhter Mineralölkohlenwasserstoff-Anteil gefunden werden. Bei Mount-Hagen auch Cadmium.

Kakaubohnen
In vielen getesteten Kakaopulvern konnte das Schwermetall Cadmium nachgewiesen werden. Bildrechte: IMAGO/H.Tschanz-Hofmann

Zu hoher Zuckergehalt

Auch der Zuckergehalt war in vielen Kakaopulvern zu hoch. Das allein ist schon Kritikpunkt genug, allerdings ist das Marketing bei den meisten Produkten auf Kinder ausgelegt.

Geht man nach der WHO, sollen Kinder zwischen 4 und 6 Jahren pro Tag höchstens 35 Gramm Zucker zu sich nehmen. Bei Kindern zwischen 7 und 10 Jahren erhöht sich der Wert auf 42 Gramm Zucker pro Tag. Die in den Produkten zum Teil gefundenen Zuckerwerte überschreiten diese Empfehlung schon mit nur einer einzigen Portion.

Das sagen die Hersteller zu dem Testergebnis

Schon in einem früheren "Öko-Test" aus dem Jahr 2019 hatte Nestlé mit seinem "Nesquik" schlecht abgeschnitten. In dem Kakaopulver konnte schon damals ein stark erhöhter Mineralölgehalt und viel Zucker gefunden werden. Auch damals gab es für das bekannte Produkt ein "ungenügend".

BRISANT hat bei den durchgefallenen Herstellern nachgefragt und um Stellungnahme gebeten. Nestlé, verantwortlich für "Nesquik", verweist bezüglich der MOSH-Werte in ihrem Kakaopulver auf die Orientierungswerte der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz Arbeitsgruppe Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände, Wein und Kosmetika Lebensmittelverband Deutschland e.V..:

Die von Öko-Test ermittelten Werte für gesättigte Mineralöl-Kohlenwasserstoffe (MOSH) im NESQUIK® Getränkepulver liegen unter den Orientierungswerten [...]. Öko-Test orientiert sich somit nicht an den offiziellen Maßstäben, sondern legt bei ihren Untersuchungen willkürliche, niedrigere Grenzwerte fest.

Sie hätten ihr Produkt nach Veröffentlichung der Testergebnisse von einem unabhängigen Institut testen lassen und als Ergebnis deutlich niedrigere Werte für Mineralölkohlenstoffe erhalten. Außerdem hätten sie in den letzten Jahren bereits Maßnahmen ergriffen, um mögliche Verunreinigungen mit MOSH vorzubeugen: "Wir setzen nur solche Rohstoffe und Materialien ein, die im Hinblick auf die offiziellen Grenz- bzw. Orientierungswerte als unbedenklich eingestuft wurden."

Zu dem deutlich zu hohen Zuckergehalt in ihrem Kakaopulver heißt es, dass sie anstreben, so wenig Zucker wie möglich in ihren Produkten zu verwenden:

So haben wir zum Beispiel die Rezeptur unseres Kakao-Klassikers im vergangenen Jahr weiter verbessert. Der Kakaogehalt der klassischen "Nesquik" Rezeptur wurde von 21,3% auf 23% fettarmer Kakao erhöht. Im Gegenzug wurde der Zuckergehalt entsprechend gesenkt.

Mount Hagen mit "Caribo Bio Trink Kakao" hat sich bisher auf BRISANT Anfrage nicht zu den Ergebnissen geäußert. (Stand 21.04.23)

Eine Packung Nesquick Kakaotrunk, daneben eine Tasse mit Angerührtem.
Vernichtend: "Nesquik" von Nestlé schneidet im Test mit einem "ungenügend" ab. Bildrechte: Imago/PantherMedia / Valery Vvoennyy

Lieferketten oft nicht nachvollziehbar

Was die Transparenz ihrer Lieferketten und fairen Arbeitsbedingungen angeht, konnten nicht alle Kakao-Hersteller überzeugen. Nur zwei von 16 getesteten Produkten erhielten in diesem Feld ein "sehr gut", darunter "Rapunzel Tiger Quick Trinkkakao" und "Cocoba Frühstückskakao mit Honig". "Naturata Kakao Getränk" konnte mit einem "gut" überzeugen.

Transparente Lieferketten und gute Arbeitsbedingungen sind bei Kakaoprodukten sehr wichtig, da die Ursprungsländer der Kakaobohnen im globalen Süden angesiedelt sind. Das macht laut "Öko-Test" die Lieferketten anfällig für unzureichende Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen.

"Vivani Cavi Quick" und "Caribo Bio Trink Kakao" machten gegenüber dem Verbraucher-Test keine Angaben bezüglich ihrer Lieferketten.

Kakao ist kein Durstlöscher

Auch wenn Kakao besonders bei Kindern sehr beliebt ist und gut schmeckt, rät die Verbraucherzentrale: Kakao ist kein Durstlöscher. Lieber sollte er wegen seines hohen Energiegehaltes als Zwischenmahlzeit gesehen werden.

(Dieser Artikel wurde zum ersten Mal am 20.04.2023 veröffentlicht)

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