Eine Frau hält in einem Wald einen Röhrling neben ein Smartphone mit einer Pilz-App
Ab in den Korb oder Finger weg? Pilz-Bestimmungs-Apps erfreuen sich aktuell großer Beliebtheit. Zu Recht? Bildrechte: dpa

Pilzsaison Wie sicher sind Pilz-Apps?

18. Oktober 2023, 17:23 Uhr

Viel Regen, viel Sonne: 2023 ist ein gutes Pilzjahr - und das lockt auch Laien in die Wälder. Damit die auch wissen, was da vor ihnen steht, greifen viele mittlerweile zu Pilz-Bestimmungs-Apps.

Die Bedienung der meisten Apps ist simpel: Mit dem Handy wird ein Foto vom Pilz gemacht. Wichtig ist, dass alle äußerlichen Merkmale gut erkennbar sind. Anhand des Fotos macht die App Vorschläge, um welche Sorte es sich handeln könnte - und ob der Pilz essbar oder giftig ist. 

Experten raten von Pilz-Apps ab

Doch viele Experten sehen Pilz-Apps kritisch: Man könne einem Pilz nicht allein an Form oder Farbe ansehen, ob dieser giftig ist. Dazu sind mehr Merkmale notwendig - und die Erfahrung des Sammlers.

Vor der Nutzung solcher Apps warnt auch Florian Eyer, Chefarzt am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Viele Giftpilze sähen gewöhnlichen Speisepilzen zum Verwechseln ähnlich. So werde etwa der weiße Knollenblätterpilz gelegentlich für einen Champignon gehalten, und den orangefuchsigen Rauhkopf identifiziere manch unerfahrener Pilzsammler als Pfifferling. Dabei könne schon ein falscher Pilz potenziell tödlich sein, sagte Eyer.

Auch Christoph Hahn, Präsident der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft, rät zur Vorsicht: Apps seien ein gutes Hilfsmittel für erfahrene Sammler. Anfänger sollten sie jedoch mit Vorsicht genießen.

Neue App vorgestellt

Weil die meisten Pilz-Apps zu ungenau sind, hat nun der BUND Niedersachsen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und der Uni Marburg eine eigene App entwickelt. Der Name: ID Pilze

Anhand weniger Fragen auf Basis von Merkmalen können die Nutzerinnen und Nutzer mit der App die häufigsten Pilzarten beziehungsweise -gattungen bestimmen. Das Problem: Die App gibt es noch nicht in den App-Stores. Wann das sein wird, ist auch noch nicht klar. Zunächst soll die App bei Pilzexkursionen getestet werden.

So viele Giftpilze wie noch nie

In Mitteleuropa gibt es aktuell mehr als 10.000 Großpilze. Davon sind etwa 200 Pilzarten essbar, 150 giftig und zehn Pilze können bei Verzehr sogar tödlich sein. Durch den Klimawandel mit wärmeren und trockenen Sommern breiten sich in Deutschland neue Pilzarten aus, die hier bislang nicht heimisch waren. Darunter auch gefährliche, kaum bekannte Giftpilze.

Das sind die Symptome einer Pilzvergiftung

Pilzvergiftungen äußern sich in verschiedenen Symptomen. Dazu zählen Erbrechen, Durchfall oder Benommenheit. Wichtig ist, sofort ärztliche Hilfe aufzusuchen. Eine Behandlung muss so schnell wie möglich beginnen, ansonsten droht im schlimmsten Fall ein Multiorganversagen. Das Gift wird über den Magen- und Darmtrakt aufgenommen und über die Blutbahn in die Leber geleitet, was zu einem Leberversagen führen kann.

Überblick der Giftnotrufe in Deutschland

  • Berlin

Giftotruf der Charité Berlin
Tel.: 030 - 19 240
Internet: giftnotruf.charite.de 

  • Bonn

Informationszentrale gegen Vergiftungen
Tel.: 0228 - 19 240
Internet: www.gizbonn.de 

  • Erfurt (GGIZ)

Gemeinsames Giftinformationszentrum der Länder
Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen,
Sachsen-Anhalt und Thüringen
Tel.: 0361 - 730 730
Internet: www.ggiz-erfurt.de 

  • Freiburg

Vergiftungs-Informations-Zentrale
Tel.: 0761 - 19 240
Internet: www.uniklinik-freiburg.de 

  • Göttingen (GIZ-Nord)

Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen,
Hamburg, Niedersachsen, und Schleswig-Holstein
Tel.: 0551 - 19 240
Internet: www.giz-nord.de 

  • Mainz (GIZ)

Giftinformationszentrum der Länder
Rheinland-Pfalz und Hessen
Tel.: 06131 - 19 240

  • München

Giftnotruf München
Tel.: 089 - 19 240
E-Mail: tox@lrz.tum.de
Internet: www.toxinfo.med.tum.de 

(Dieser Artikel wurde erstmals am 13.10.22 veröffentlicht.)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. Oktober 2022 | 17:15 Uhr

Weitere Themen