Undine Gomille, Künstlerin und Hobbygärtnerin, arbeitet in ihrem Garten.
Nur sehr wenige Therapieeinrichtungen in Deutschland bieten Gartentherapie für depressive Menschen an. Bildrechte: picture alliance/dpa | Patrick Pleul

Ergänzende Therapie ohne Medikamente Warum Gartenarbeit gegen Depressionen helfen kann

04. Juli 2024, 16:00 Uhr

Ein Mann im Porträt
Bildrechte: Raphaela Fietta

Mit den Händen in der Erde wühlen, sich um Pflanzen kümmern, einen Plan machen: Was für Hobbygärtner ganz normal ist und ihnen Spaß bereitet, ist für viele Menschen mit Depressionen undenkbar. Das Krankheitsbild der Depression ist weit, aber viele Betroffene klagen über Antriebslosigkeit und Müdigkeit.

Die sogenannte Gartentherapie soll eine Möglichkeit sein, aus dem Teufelskreislauf auszubrechen - als Ergänzung zur medizinischen Behandlung einer Depression. Denn mit Gartenarbeit allein lässt sich keine Depression besiegen!

Undine Gomille, Künstlerin und Hobbygärtnerin, arbeitet in ihrem Garten (Luftaufnahme mit einer Drohne).
Was ist als nächstes zu tun und was morgen? Gartenarbeit und Gartentherapie soll Depressiven Struktur geben. Bildrechte: picture alliance/dpa | Patrick Pleul

Die Arbeit im Grünen hebt die Stimmung und steigert den Antrieb ganz ohne Medikamente. Durch die Gartenarbeit kommen zum Beispiel Patientinnen und Patienten mit einer Depression wieder in Schwung, indem sie aktiv etwas tun.

Torsten Kratz, Neurologe RND

Kontrolliert unter ärztlicher Aufsicht gärtnern, solche Angebote bieten in Deutschland nur sehr wenige Therapie-Einrichtungen an. Das bedeutet aber nicht, dass die Gartentherapie umstritten ist. Oft fehlt es den Kliniken einfach nur an Personal, an Zeit oder geeigneten Freiflächen.

Ein Mann sitzt allein an einem Fenster und schaut nach draußen.
Menschen mit Depressionen klagen oft über Antriebslosigkeit. Bildrechte: IMAGO / Thomas Eisenhuth

Gartentherapie nicht für jeden geeignet

Außerdem ist diese Art der Therapie nicht für jeden geeignet, erläutert Neurologe Torsten Kratz vom Evangelischen Krankenhaus Herzberge in Berlin: "Das hilft nur bei Leuten, die auch einen angenehmen Bezug zum Garten haben. Deshalb machen wir vorher Biografiearbeit, um zu sehen, was zu den Patientinnen und Patienten passt."

Wichtiger Aspekt: Entschleunigung

Dass Aktivitäten im Freien depressiven Menschen helfen können, ist unumstritten. Die Idee der Gartentherapie: Patientinnen und Patienten, die sonst eher in einer passiven Rolle sind, kümmern sich bei der Gartentherapie aktiv um etwas und übernehmen Verantwortung.

Aber es geht auch um Entschleunigung und Innehalten. Und die kann theoretisch auch jeder im eigenen Garten erleben.

Gartentherapie nur als Ergänzung!

Wichtig: Depression ist eine ernste Erkrankung und muss medizinisch behandelt werden - mit Medikamenten und einer Psychotherapie. Hinzu kommen dann ergänzende Verfahren, zum Beispiel die äußerst befriedigende Arbeit im Garten.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 12. Juni 2024 | 16:15 Uhr

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