Mann auf Beifahrersitz tauscht 50-Euro-Schein mit Tütchen mit Cannabis mit einer Frau auf dem Beifahrersitz eines PKWs.
Wo kann man Cannabis kaufen, sobald es legalisiert ist? Bildrechte: Colourbox.de

Teil-Legalisierung Cannabis ist seit 1. April legal - wo kann man es eigentlich kaufen?

14. Juli 2024, 21:59 Uhr

Wer sich zukünftig einen Shopping-Alltag nach niederländischem oder kanadischem Vorbild vorgestellt hat, wird enttäuscht: Anders als ursprünglich geplant, wird es in Deutschland zunächst keine Geschäfte geben, die Cannabis verkaufen.

Auch Kekse und Süßigkeiten mit Cannabis-Extrakten sollen weiterhin verboten bleiben, ebenso wie Kuchen, Cookies oder Öle mit Cannabis und die Vermischung mit Tabak, Alkohol oder anderen Aromen.

Mitglieder des Cannabis-Social-Clubs in Berlin feiern mit einem Riesenjoint 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
1 min

Brisant Fr 22.03.2024 17:10Uhr 00:33 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Geschäfte in Modellregionen? Unklar!

Geplant war zunächst, den Verkauf in staatlich lizenzierten Geschäften in Modellregionen zu erproben. Dazu will Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) einen weiteren Gesetzentwurf vorlegen.

Im vergangenen Jahr hatten Tübingen, Leipzig, Schwerin, Bremen, Hannover, Bonn Darmstadt, Wiesbaden, Frankfurt/Main, Offenbach und München auf Anfrage der WELT mitgeteilt, dass sie sich eine Bewerbung als Cannabis-Modellregion vorstellen können.

Cannabis im Verein: So funktioniert es

Die in Zukunft wohl gängigste Variante, um an Cannabis zu kommen, sind sogenannte Cannabis-Clubs oder "Anbauvereinigungen", wie sie offiziell heißen. Dort dürfen bis zu 500 Mitglieder Cannabis nicht-kommerziell anbauen und untereinander zum Eigenkonsum abgeben. Organisiert sein müssen sie als eingetragene Vereine oder Genossenschaften.

Seit 1. Juli kann eine amtliche Erlaubnis beantragt werden. Die Bearbeitung der Anträge wird etwa drei Monate dauern.

Angeben müssen die Clubs unter anderem die Mitgliederzahl, Standort und Größe der Anbauflächen, voraussichtliche Cannabis-Jahresmengen, Sicherungsmaßnahmen und ein Gesundheits- und Jugendschutzkonzept. Die Erlaubnis gilt dann erstmal für sieben Jahre, kann danach aber verlängert werden.

Im Bild wird ein Tütchen mit Cannabis gehalten.
"Guten Tag, bitte einmal 5 Gramm Cannabis" - so einfach wird es in Zukunft nicht in Deutschland, trotz Legalisierung. Bildrechte: IMAGO / Christian Spicker

Strenge Auflagen für Cannabis-Clubs

Die Mitglieder müssen mindestens seit sechs Monaten in Deutschland wohnen, die Vorstandsmitglieder dürfen nicht wegen Drogendelikten vorbestraft sein. Das Anbau-Areal darf kein Wohngebäude sein. Cannabis-Konsum vor Ort und 100 Meter um den Eingang herum ist tabu. Zu Schulen, Spielplätzen und anderen Kinder- und Jugendeinrichtungen müssen es mindestens 200 Meter Abstand sein. 

Wie viel Cannabis bekommen Mitglieder? 

Pro Tag sind es höchstens 25 Gramm je Mitglied und im Monat höchstens 50 Gramm. Für 18- bis 21-Jährige sollen monatlich 30 Gramm mit höchstens zehn Prozent Tetrahydrocannabinol (THC) zulässig sein. Auch anbauen dürfen die Vereine nicht einfach so viel, wie sie wollen. Die Erlaubnis gilt für feste Jahresmengen, die sich am Eigenbedarf der Mitglieder orientieren. Mehr muss vernichtet werden.

Cannabisblüte 9 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
9 min

Umschau Di 28.05.2024 20:15Uhr 08:45 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Cannabis auf dem Schwarzmarkt kaufen? Immer noch keine gute Idee!

Dealen bleibt strafbar, für alle. Einige Strafen werden verschärft, mit dem Ziel, den Jugendschutz zu verstärken. So wird etwa der Verkauf von Cannabis an Minderjährige mit mindestens zwei Jahren Freiheitsstrafe statt bisher einem Jahr geahndet.

Cannabis aus den Niederlanden mitbringen? Noch immer verboten!

Wer fälschlicherweise denkt, er könne nach der Teil-Legalisierung Cannabis zum Eigenkonsum in niederländischen Coffeeshops kaufen und mit nach Deutschland nehmen, der irrt! Die Einfuhr ist weiter nicht erlaubt. Darauf weist die Polizei in der Grafschaft Bentheim hin, die an der deutsch-niederländischen Grenze liegt.

Das einzige, was laut Zoll erlaubt ist: die Einfuhr von Cannabissamen aus der EU zum Anbau für den Eigenkonsum oder für Anbauvereine.

Marijuana Samen
Nur Cannabissamen dürfen aus der EU nach Deutschland eingeführt werden. Bildrechte: IMAGO / Wirestock

Ist erlaubt: Eigenanbau und Kauf von Samen

Wem die Mitgliedschaft im Club zu umständlich ist, kann selbst anbauen: Privat dürfen bis zu drei weibliche Cannabis-Pflanzen angebaut werden.

Die Samen oder Stecklinge dafür kann man in einem Cannabis-Club erwerben - auch als Nicht-Mitglied. Die Regeln für den Betrieb dieser Vereine treten am 1. Juli in Kraft.

Aber: Geerntet werden darf nur zum Eigenkonsum und nicht zur Weitergabe an andere. Cannabis an Freunde oder Mitbewohner zu verschenken, ist also verboten. Wer dagegen verstößt, riskiert eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 26. Februar 2024 | 17:15 Uhr

Weitere Themen