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Mit Zahlen und Codes wie der "88" versuchen Rechtsradikale, ihr Gedankengut zu verbreiten. Bildrechte: IMAGO/Wirestock

Mehr als Glatze und SpringerstiefelRechtsextreme Symbole erkennen

28. Mai 2024, 08:36 Uhr

Ein "SUPPORT C18!"-Graffito an einer Hauswand, ein "1488"-Aufkleber an der Straßenlaterne, ein Kommentar mit den Buchstaben "WP" unter einem Post auf Instagram. Auf den ersten Blick unauffällig und harmlos. Codes, deren Sinn nicht jeder kennt, aber kennen sollte. Denn Rechtsextremisten nutzen sie, um Terror, Gewalt und Fremdenhass zu verherrlichen. Was verbirgt sich hinter den Codes und Chiffren der rechtsextremen Szene?

Verschlüsselte Zahlencodes

"88" - ist in der rechtsextremen Szene das Synonym für den verbotenen Hitlergruß, da "Heil Hitler" zweimal mit dem achten Buchstaben des Alphabets beginnt. Dieser Code ist mittlerweile allerdings so bekannt, dass Rechtsextreme ihn nicht mehr bedenkenlos nutzen können. Als Ersatz wird deshalb auch "2x44" verwendet.

"84" - funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie "88" und bedeutet "HD" für "Heil Deutschland".

"14" - steht für die "Fourteen Words" (= "vierzehn Worte") des Satzes: "We must secure the existence of our people and a future for white children." (= "Wir müssen den Fortbestand unseres Volkes und eine Zukunft für weiße Kinder sichern."). Seit den 1990er-Jahren findet man die "14" auch bei deutschen Rechtsextremisten.

"1488" - ist die Kombination aus den "Fourteen Words" und der Chiffre für den Hitlergruß. Der Code ist die international am stärksten verbreitete Chiffre der rechtsextremen Szene und auch unter polnischen und russischen Rechtsextremen populär.

"18" - steht als Chiffre für den ersten (A) und den achten Buchstaben (H) im Alphabet, "AH" als Synonym für Adolf Hitler.

"28" - steht für den zweiten und den achten Buchstaben im Alphabet: "BH" - kurz für "Blood and Honour". "Blut und Ehre" war das Motto der nationalsozialistischen Hitlerjugend (HJ).

"19/8" - bedeutet "Sieg Heil". S ist der neunzehnte und H der achte Buchstabe im Alphabet.

"1919" - meint nationalsozialistische Organisation SS (= die Schutzstaffel). Sie diente Hitler und der NSDAP als Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument.

"74" - ist der Zahlencode für GD, die Abkürzung für "Großdeutschland". So haben die Nationalsozialisten das Deutsche Reich nach dem Anschluss von Österreich 1938 bezeichnet.

"C18" - das C steht für "Combat" (= "Kampf"/"Gefecht"). In Kombination kann man "C18" als "Kampfgruppe Adolf Hitler" übersetzen. Die Parole "Support C18!" (= "Unterstütze die Kampfgruppe Adolf Hitler!") ist eine Aufforderung zur Unterstützung der terroristischen Gruppierung.

"168:1" - 1995 tötete der amerikanische Rechtsterrorist Timothy McVeigh bei einem Bombenanschlag auf ein Regierungsgebäude 168 Menschen. Er wurde 2001 hingerichtet. "168:1" basiert auf einer Aussage McVeighs, die Bilanz seiner Taten sei "positiv", er habe "gewonnen", da die Anzahl der getöteten "Feinde" sein eigenes Opfer überwiege. Dementsprechend wird der Zahlencode von Rechtsextremisten verwendet, die rassistischen Terrorismus bejahen.

"444" - verschlüsselt die Losung "Deutschland den Deutschen". Der Code richtet sich gegen Bevölkerungsgruppen und Religionen, die von Rechtsextremisten nicht als Deutsche akzeptiert werden, also beispielsweise Deutsche mit Migrationshintergrund, Asylsuchende, Muslime und Juden.

"192" - "Adolf Is Back" (= "Adolf (Hitler) ist zurück"). Auch hier nutzen die Rechtsextremen die Buchstabenreihenfolge des Alphabets.

"1312" - ist der Zahlencode für die Abkürzung ACAB: "All Cops are Bastards" (= "Alle Polizisten sind Bastarde"). Rechtsextremisten haben diese ursprünglich aus der linksextremistischen Szene kommende Parole kopiert. Teilweise wird sie antisemitisch zu AJAB abgewandelt, das J steht dabei für Juden oder auch Journalisten.

"1347" - bedeutet "mit deutschem Gruß".

"1161" - steht für "AAFA", was soviel bedeutet wie "Anti-Anti Fascist Action". Der Code richtet sich somit gegen den Antifaschismus.

"1312" ist der Zahlencode für die Abkürzung ACAB: "All Cops are Bastards". Bildrechte: imago images/Hans Lucas

Datumsangaben als Codes

"20.4." - meint den 20. April, den Geburtstag Adolf Hitlers. Rechtsextremisten drücken damit ihre Verehrung für den nationalsozialistischen "Führer" aus.

"13.2." - der 13. Februar 1945 ist das Datum der verheerenden Luftangriffe auf Dresden im Zweiten Weltkrieg, die von den Rechtsextremisten als "Kriegsverbrechen" oder "Mord" deklariert werden. Graffiti oder Kommentare mit diesem Datum fordern dazu auf, das Ereignis als "Verbrechen am deutschen Volk" nicht zu vergessen.

"17.8." - am 17. August 1987 beging Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß im Kriegsverbrechergefängnis Spandau Selbstmord. Rechtsextremisten sehen darin die Verschwörungstheorie, der 93-jährige sei durch "Geheimdienste ermordet" worden.

Verdeckte Buchstabencodes

"HooNaRa" - ist ein Akronym für "Hooligans - Nationalisten - Rassisten" und ein beliebter Schlachtruf der rechtsextremen Szene bei Sportveranstaltungen.

"HknKrz" - wird von Rechtsextremisten als Hakenkreuz gelesen.

"HTLR" - soll für Heimat, Treue, Loyalität und Respekt stehen. Die Abkürzung wird von Rechtsextremisten aber als Hitler gelesen.

"2YT4U" - englisch ausgesprochen ergibt es die Worte "Too white for you" (= "Zu weiß für dich"). Die Parole, die eigentlich von US-amerikanischen Rassisten stammt, wird auch in Europa und Deutschland von Rechtsextremisten aufgegriffen.

"ZOG" - bedeutet "Zionist Occupied Government" (= "Zionistisch besetzte Regierung"). Unter deutschen und amerikanischen Rechtsextremisten ist das eine sehr beliebte Abkürzung. Sie knüpft daran an, dass die Nationalsozialisten von einer angeblichen "jüdischen Weltherrschaft" überzeugt sind.

"WP" - steht für "White Power" (= "weiße Macht"), das Symbol dazu ist eine stilisierte weiße Faust. "White Power" war ursprünglich die Losung des Ku-Klux-Klans und steht für die nationalsozialistische und rassistische Theorie von der Vorherrschaft der "weißen Rasse", genau wie die Formel "WPWW" ("White Pride World Wide" = "weißer Stolz weltweit").

"RAHOWA" - bezeichnet den "Racial Holy War" (= den "heiliger Rassenkrieg") und ist ein beliebter Schlachtruf auf rechtsextremen Konzerten und ein Erkennungszeichen in Internetforen. "RAHOWA" fordert einen Krieg gegen fremde Völker, Ethnien und Religionen.

"A.C.A.B." - steht für "All Cops are Bastards" (= "Alle Polizisten sind Bastarde"). Der Ausdruck kommt ursprünglich aus der englischen Punk- und Skinheadszene. Rechtsextremisten verwenden die Parole heute ebenso wie linksextreme Autonome, Rocker, Straßengangs und Hooligans.

"GNLS" = ist die Abkürzung für "Good Night Left Side" (= "Gute Nacht linke Seite"), ein Spruch der Neonazi-Bewegung als Antwort auf den antifaschistischen Spruch "Good Night White Pride" (= Gute Nacht weißer Stolz). "GNLS" richtet sich also gegen die linksextremistische Szene.

"HFFH" - ist ein Treueschwur der Neonazi-Bewegung "Hammerskins forever, forever Hammerskins".

Die Parole nutzen linksextreme Autonome, Rocker, Straßengangs, Hooligans genauso wie Rechtsextreme. Bildrechte: imago images/mhphoto

Verbotene Symbole

Nicht nur mit Zahlencodes verbreiten Rechtsextreme ihr Gedankengut im Internet und auf den Straßen. Sie nutzen auch NS-Symbolik und Runen, um ihre Gesinnung öffentlich zur Schau zu stellen, besonders auf Flaggen und auf Kleidung. Bei einigen Symbolen ist das Zeigen und Verwenden per Gesetz unter Strafe gestellt. (§§ 86, 86a des Strafgesetzbuches (StGB)):

  • NS-Reichskriegsflagge
  • Hakenkreuz
  • Triskele (Kennzeichen der 27. SS-Division Langemarck sowie des seit 2000 in Deutschland verbotenen "Blood & Honour" Netzwerks)
  • SA-Zivilabzeichen (von der Sturmabteilung der Nationalsozialisten benutzt)
  • NS-Gaudreieck (wiesen den regionalen Gau der NSDAP/Hitlerjugend aus)
  • Doppel-Sieg-Rune (auch Doppelblitz)
  • SS-Totenkopf
  • Keltenkreuz (z.T. verwendet als Symbol der "Vormachtstellung der weißen Rasse")
  • Nationale Liste (Abzeichen einer Untergruppe der verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei "FAP")
  • VSBD/PdA-Symbol (Symbol der "Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit", 1986 verboten)
  • Wolfsangel (Symbol der 1982 verbotenen Organisation "Junge Front")
  • Odal-Rune (u.a. Symbol der SS-Division "Prinz Eugen")
  • Tyr-Rune (auch Tiwaz-Rune, u.a. Kennzeichen einer SS- Freiwilligendivision)

Quellen und weiterführende Links

Zum Thema

Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 07. Mai 2024 | 17:15 Uhr