Models auf dem Laufsteg
Model werden – dein Traumjob? Wie schafft man den Sprung auf den Laufsteg oder vor die Kamera in jedem Alter? Bildrechte: dpa

"Die Türen stehen allen offen" Model werden: So klappt es mit dem Traumjob

03. November 2023, 16:30 Uhr

Viele Wege führen nach Rom - aber auch auf den Laufsteg? Wo setzt man den ersten Schritt, um in der Branche Fuß zu fassen?

Es gibt nicht den einen Weg, der ins Model-Business führt. Die Möglichkeiten sind mittlerweile so vielfältig wie nie. Ein Experte verrät, wie man dem Glück etwas auf die Sprünge helfen kann.

Kann jeder Model werden?

Ja - sagt Best Ager-Model Mario Raßloff. Er selbst unternahm 2017 seine ersten Schritte in der Branche und ist mittlerweile ein deutschlandweit gebuchtes Model im Commercial-Bereich, aber auch für Laufstege.

Er ist sich sicher:

Natürlich gibt es nach wie vor die klassischen Modeltypen: Groß, sehr schmal. Doch ich bin mir sicher: Mittlerweile stehen die Türen allen offen: Heute kann - mit etwas Glück - jeder Model werden. Den einen Typus gibt es nicht mehr.

Mario Raßloff

Das Besondere ist jetzt "en vogue"

Um Model zu werden, ist nicht mehr entscheidend, ob man einem bestimmten Schönheitsideal entspricht. Die aktuellen Entwicklungen in der Modebranche zeigen, dass Vielfalt und Authentizität zählen. Vermeintliche "Makel" wie Zahnlücken oder markante Nasen werden von Marken mittlerweile gern bewusst in Szene gesetzt.

Heißt: Die strikten Anforderungen an Größe und Maße à la 90-60-90 (für Frauen) werden nicht mehr so eng gesehen - auch wenn klassische Laufsteg-Models im Haute-Couture-Bereich diesen Anforderungen auch heute noch oft entsprechen müssen: Zu den Internationalen Modewochen im März 2023 wurden laut "SZ" 9.137 Looks auf den Laufstegen gezeigt – nur 0,6 Prozent davon an Plus-Size-Models.

Immerhin: Viele Stimmen fordern mittlerweile einen "Mindest-BMI", der ärztlich überwacht wird. Zu dünne Models werden nach Hause geschickt.

Diversität und Wiedererkennungswert als neues Schönheitsideal

Die Grenzen zwischen Kategorien wie Curvy-, Midsize-, Petite-, Laufsteg- oder Commercial-Model verschwimmen immer mehr. Auch Altersklassen werden durchbrochen - die Best-Ager-Branche ist nach wie vor auf dem Siegeszug, wie die Stars der Branche Carmen Dell’Orefice (92) oder Philippe Dumas (68) zeigen.

Carmen Dell’Orefice
Carmen Dell’Orefice gilt als ältestes Model der Welt. Im Alter von 15 Jahren erschien sie zum ersten Mal auf dem Cover der Modezeitschrift Vogue - das war 1946. Bildrechte: dpa

Begriffsglossar Modeln Best Ager Model: Je nach Definition gilt man ab 40 oder 50 Jahren als Best Ager Model – ohne Grenze nach oben.

Curvy Model: Plus-Size oder Curvy-Model ist die Bezeichnung für Models der Konfektionsgröße 44 bis 52.

Midsize Model: Bei Frauen die sogenannten "Zwischengrößen", also Konfektion 38 bis 42.

Petite Model: Frauen zählen bei einer Körpergröße von 1,55 bis 1,70 Meter als Petite Model, Männer von 1,62 bis maximal 1,75 Meter.

Die Model- und Fashionwelt ist im Wandel. Prominentestes Beispiel: Die Wiedergeburt der bekannten Victoria's-Secret-Modenschauen.

Die "Victoria's Secret" Fashion Show feiert nach einigen Skandalen 2023 ihr Comeback. Mit neuem Konzept und feministischem Fokus möchte die Marke ihr Image wieder reinwaschen und setzt bei den Models auf Diversität.

Laut Mario Raßloff zählt heutzutage vor allem Charisma:

Als Model muss man in gewisser Weise auch Schauspieler sein und in verschiedene Rollen schlüpfen. Ausstrahlung zählt da oft mehr, als Muskelberge und Größe.

Mario Raßloff

Sein Tipp: "Wenn man den Wunsch hat, Model zu werden, dann einfach Mut fassen und sich bei einer seriösen Agentur vorstellen. Dort sitzen oft Profis, die auf einen Blick sehen, ob man das Zeug hat oder nicht."

Model-Agentur als Schlüssel zum Glück?

Zwar gibt es auch Models, die ohne Agentur im Rücken erfolgreich sind, doch generell ist der Schritt zu einer seriösen Agentur empfehlenswert. Denn die hat oft den besten Zugang zur Branche - und somit auch zu Jobs. Diese Erfahrung hat auch Mario Raßloff gemacht:

Mit einer guten Agentur macht man nichts verkehrt. Das bringt Sicherheit für beide Seiten - für den Kunden, aber auch für das Model selbst, da die wichtigsten Sachen im Vorfeld besprochen und vollständig geregelt werden.

Mario Raßloff

Seriös heißt in dem Fall, dass eine Agentur niemals Geld dafür nehmen wird, nur um die Fotos in ihre Kartei aufzunehmen. Seriöse Agenturen verdienen ihr Geld damit, ihre Models zu vermitteln und gehen bei Test-Shootings in Vorleistung.

Wie findet man die richtige Agentur?

Bei der Frage, wie man die richtige Agentur findet, gibt es zwei Antworten. Entweder per Model-Scout, der für eine Agentur arbeitet oder durch eine aktive Bewerbung. Die meisten Agenturen bieten auf ihren Webseiten die Möglichkeit, sich unkompliziert zu bewerben. Dafür sind meist nur einige Daten und aussagekräftige Fotos nötig. Dann heißt es abwarten, ob man ins Portfolio der Agentur passt.

Ein Model auf dem Laufsteg.
Um ein erfolgreiches Model zu werden, braucht es einen langen Atem. Bildrechte: dpa

Muss eine Sedcard noch sein?

Man kennt es aus Filmen oder Castingsshows: Beim Weg zu einem potentiellen Job muss stets die eigene Sedcard mit.

Mittlerweile hat die klassische Sedcard zwar noch nicht ausgedient, aber ihre Bedeutung ist nicht mehr ganz so groß. Dennoch ist ein vielseitiges Portfolio unabdingbar:

Als Model sollte man darauf achten, dass man sich und seine Facetten auf hochwertigen und aktuellen Fotos gut präsentiert - vor allem auch, um zu zeigen, wie vielseitig einsetzbar man ist. Das heißt: Neben Portrait- sollte das eigene Portfolio auch Ganzkörperfotos enthalten. Außerdem schadet es nie, sich immer mal wieder - in Absprache mit der Agentur - neu zu erfinden: Sei es durch eine neue Haarfarbe oder Frisur.

Mario Raßloff

Das 90er-Jahre Supermodel Linda Evangelista machte es vor: Sie erhielt im Business den Spitznamen "Beauty Chameleon", da sie sich und ihren Look immer wieder veränderte.

Linda Evangelista
Mal blond, mal brünett, lange oder kurze Haare: Linda Evangelista erfand sich immer wieder neu. Bildrechte: IMAGO

Mario Raßloffs Tipp: Ein hochwertiges Profil in den sozialen Medien, vor allem bei Instagram, kann nie schaden und ersetzt mittlerweile sogar manche Sedcard. Topmodels wie Ashley Graham oder La Tecia sind nicht einfach nur Model, sie sind auch Influencerinnen, Bloggerinnen, Aktivistinnen.

Sedcard shooten: Da sollte man beachten

Wer noch keine Sedcard hat, sollte den Fotografen sorgfältig auswählen. Diese erforderliche Grundinvestition kann hohe Kosten bedeuten, aber hier gilt: Qualität hat ihren Preis. Das gilt auch für einen Stylisten beim Shooting, wenn der Fotograf das nicht selbst anbietet.

Gerade bei jungen Einsteigerinnen gilt: Um unangenehme Erlebnisse beim Fotografieren zu vermeiden, sollte ein Freund / eine Freundin oder ein Elternteil dabei sein. So können Fotos, die man später möglicherweise bereuen könnte, von vornherein vermieden werden.

Stylistin schminkt Augen eines Models.
Professionelle Bilder in einer Sedcard sind nach wie vor ein Must-have im Model-Business. Bildrechte: dpa

Mentale Stärke im harten Model-Business

Mentale Stärke ist im Model-Business unabdingbar, so Mario Raßloff:

Ein gesundes Selbstvertrauen ist das A und O: Man muss damit umgehen können, dass man gesehen und auch durchaus kritisch betrachtet wird.

Mario Raßloff

Modeln bedeutet harte Arbeit. Und zwar als Nachwuchs- und Top-Model gleichermaßen. Vor allem am Anfang einer Karriere stehen jede Menge Stress, viele Absagen und endloses Warten bei Castings. Das bedeutet zum einen viele Rückschläge und zum anderen oft das Ausbleiben eines stetigen und ausreichenden Einkommens. Eine zusätzliche Arbeit nebenbei ist oft die einzige Möglichkeit, den Traum vom Modeljob aufrecht zu erhalten.

Auch wenn die Zeit oft knapp ist, sollten alle potenziellen Models sich gesund und ausgewogen ernähren. Auch sportliche und geistige Betätigung kann helfen, den Anstrengungen des Modellebens gerecht zu werden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. September 2023 | 17:15 Uhr

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