Eine Frau an einem Tisch stützt mit einer Hand den Kopf
Innere Unruhe, Ängste und Schlafstörungen sind oft Begleiterscheinungen der Wechseljahre. Bildrechte: dpa

Gesundheit Wechseljahre: So beeinflusst die Hormonumstellung die Psyche

09. Februar 2024, 12:47 Uhr

Die Wechseljahre bringen große Veränderungen im Leben einer Frau. Diese hormonelle Umstellung beginnt für die meisten Frauen ab Mitte 40. Die Eierstöcke produzieren allmählich weniger Geschlechtshormone, der Eisprung bleibt häufiger aus, die Periode kommt unregelmäßiger. Die Zyklen sind kürzer oder länger - und schließlich bleiben die Blutungen aus.

Hitzewallung ist das Kennzeichen, das am häufigsten mit den Wechseljahren der Frau in Verbindung gebracht wird - allerdings treten diese oft erst spät in den Wechseljahren auf.

Doch aufgrund starker hormoneller Schwankungen kommt auch die Psyche leichter aus dem Takt. Dass auch Symptome wie Depressionen, Konzentrationsstörungen und Schlafstörungen durch die Hormonumstellung entstehen können, wissen die wenigsten.

Depressionen: Zeichen für den Beginn der Wechseljahre?

Ein Grund für psychische Veränderungen ist die Änderung der Hormonkonzentrationen im Körper der Frau. Die Wechseljahre werden in vier Phasen unterteilt, in denen sich einiges tut im Hormonhaushalt.

Die vier Phasen der Wechseljahre

Phase 1: Prämenopause

Prämenopause bezeichnet den Abschnitt der Wechseljahre vor der Menopause; sie beginnt bei den meisten Frauen mit Anfang oder Mitte 40. In dieser Phase fällt das Progesteron langsam, aber stetig ab und das Östrogen dominiert. Oftmals schwankt der Hormonhaushalt auch stark, so dass mal Progesteron und mal Österogen dominiert oder fehlt.

Progesteron ist nicht nur zuständig für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, es steuert als Botenstoff auch psychische Funktionen. Es dämpft und entspannt, macht damit auch resistenter gegen Stress.

Phase 2: Perimenopause

Diese Phase bezeichnet die Zeit "um die Menopause herum", also das Jahr davor und das Jahr danach. In der Perimenopause sinkt zunehmend auch der Östrogenspiegel.

Östrogene sorgen für Energie und gute Stimmung. Als wichtiges Sexualhormon stimuliert das Östrogen unter anderem die Reifung der Eizellen, übernimmt den Transport einer befruchteten Eizelle zur Gebärmutter und beschert Haut oder Schleimhäuten ausreichend Feuchtigkeit.

Eine Frau greift sich mit beiden Händen an die Schläfen
Fällt der Östrogenspiegel, fühlen sich viele Frauen in den Wechseljahren müde und erschöpft. Bildrechte: dpa

Und noch etwas: Östrogene, vor allem das Estradiol, greifen auch in den Serotonin- und Dopamin-Stoffwechsel ein. So beeinflusst Estradiol unter anderem die Verfügbarkeit des Glückshormons Serotonin.

Die Wahrscheinlichkeit, in der Perimenopause depressiv zu werden, ist 2- bis 5-mal höher als in den Jahren davor. Für manche Frauen kann emotionale Erschöpfung die Bewältigung alltäglicher Aufgaben erschweren.

Phase 3: Menopause

Der Zeitpunkt der allerletzten Regelblutung, von der man spricht, wenn mindestens zwölf Monate lang keine Blutung mehr aufgetreten ist. Die Menopause kann nur rückblickend bestimmt werden. Im Durchschnitt sind Frauen zu diesem Zeitpunkt 51 bis 52 Jahre alt. Vielen Frauen macht die Tatsache zu schaffen, nicht mehr fruchtbar zu sein.

Phase 3: Postmenopause

Auf die Menopause folgt die Postmenopause - sie dauert bis zum Alter von circa 65 Jahren an. Jetzt regulieren sich die Hormone auf einem niedrigen Niveau, bis sie schließlich zu einer neuen Stabilität gelangen. Auch in dieser Zeit können aufgrund des Hormonmangels noch Depressionen auftreten.

Nicht nur die Hormone sind schuld

Neben dem Hormonabfall können psychische Veränderungen aber auch ganz anderen Ursachen haben:

  • genetische Veranlagungen
  • neuronale Störungen
  • psychosoziale Einflüsse
  • Umweltfaktoren
  • biographische Ereignisse wie plötzliche Arbeitslosigkeit, der Auszug der Kinder aus dem Elternhaus, die plötzliche Zweisamkeit mit dem Partner oder der Partnerin
  • zu viel Stress oder Überforderung
  • reaktivierte Traumata aus der Kindheit
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • aber auch Krankheiten wie Stoffwechselstörungen

Eine Frau greift sich mit einer Hand an die Stirn
Es kann hilfreich sein, offen über das eigene Befinden zu sprechen. Die Wechseljahre sollten kein Tabuthema sein. Bildrechte: dpa

Was hilft bei psychischen Wechseljahresbeschwerden?

Das Spektrum der Therapiemöglichkeiten bei Depressionen und depressiven Verstimmungen in den Wechseljahren ist vielfältig. Möglichkeiten sind:

  • Einnahme von Antidepressiva
  • bioidentische Hormone
  • Psycho- und Körpertherapie
  • Einsatz von speziellem Licht
  • Sport und Bewegung
  • pflanzliche Heilmittel (z.B.: Baldrian, Johanniskraut, Passionsblume oder Melisse)


Bei Depressionen aufgrund starker Hormonschwankungen ist die Hormonersatztherapie äußerst wirksam. Mit der Gabe bioidentischer Hormone erhält der Körper zurück, was ihm fehlt. Neben anderen Beschwerden - wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen - bessert sich bei den betroffenen Frauen auch die Gemütslage spürbar. Die Frage, ob und wann Hormone ratsam sind, sollte immer mit einem Facharzt oder einer Fachärztin besprochen werden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. Oktober 2023 | 17:15 Uhr

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