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Waschbare Periodenslips sind eine nachhaltige Alternative zu Tampons und Binden. Bildrechte: dpa

NachhaltigkeitPeriodenslip und Co.: Welche Tampon-Alternativen gibt es?

19. Oktober 2023, 16:30 Uhr

Frankreich will jungen Frauen in Zukunft wiederverwendbare Periodenprodukte bezahlen. Denn Tampons, Binden und Slipeinlagen sind teuer und produzieren Müll. Über 90 Prozent der Frauen in Deutschland nutzen Einweg-Hygieneartikel. Jede davon produziert um die vier Kilogramm Müll im Jahr, nur durch Menstruationsartikel. Welche Alternativen gibt es?

Frankreich will künftig Frauen unter 25 Jahren die Kosten für wiederverwendbare Periodenprodukte erstatten. Der Grund: Periodenarmut treffe zu viele Frauen, schreibt Premierministerin Élisabeth Borne auf Twitter:

Auch in Deutschland sind die Kosten für Hygieneartikel für viele junge Menschen ein Problem. Laut einer Umfrage des Vereins "Plan International Deutschland e. V." gaben im Jahr 2021 86 Prozent der 16- bis 24-Jährigen an, dass ihr Leben einfacher wäre, wenn es in öffentlichen Gebäuden kostenlose Menstruationsartikel gäbe. Für fast ein Drittel sind die monatlichen Ausgaben für Periodenprodukte eine Belastung.

Tampons, Binden und Slipeinlagen sind keine Ausnahme unter den Einwegprodukten: Auch sie produzieren viel Müll. Laut einer repräsentativen Umfrage von 2019 nutzen 96 Prozent der menstruierenden Frauen in Deutschland diese Einwegprodukte.


Und jede dieser Frauen verursacht laut einer Recherche von Deutschlandfunk Nova vier Kilogramm Menstruationsmüll pro Jahr. Dabei gibt es längst wiederverwendbare Alternativen auf dem Markt.

Menstruationstassen

Menstruationstassen, auch Moon Cups genannt, sind meist aus medizinischem Silikon. Die flexiblen, kegelförmigen Behälter werden in die Vagina eingeführt. Menstruationstassen sollten spätestens nach acht Stunden geleert werden. Nach der Periode kann man sie ein paar Minuten in Wasser auskochen, um sie zu sterilisieren.

Je nach Angaben des Herstellers hält eine Tasse acht Monate bis zu zehn Jahre lang und kann pro Jahr über 200 Binden oder Tampons ersetzen. Mittlerweile kann man sie einfach im Drogeriemarkt kaufen. Zwar kostet eine Tasse mehr als eine Packung Tampons, aber selbst bei teuren Modellen rechnet sich das laut "Ökotest" schon nach ein paar Zyklen.

Laut der Gynäkologin Barbara Havenith sind Moon Cups gesünder für den Körper als Tampons, weil sie nicht saugfähig sind und die Vagina nicht austrocknen. Das sagte sie gegenüber "Women Engage for a Common Future", einem Netzwerk aus Frauen-, Umwelt- und Gesundheitsorganisationen:

Die Verwendung von Tampons saugt nicht nur das Menstruationsblut auf, sondern auch viele nützliche Laktobazillen, die in die Vagina gehören und vor vaginalen Infektionen wie z. B. durch Candida oder Bakterien schützen.

Barbara Havenith, Gynäkologin | Women Engage for a Common Future

Für eine gesunde Verwendung ist aber zu beachten, dass man seine Hände unbedingt vor dem Einführen waschen muss. Auch die Tasse muss Gynäkologinnen und Gynäkologen zufolge nach jedem Ausleeren gründlich mit sauberem Wasser gewaschen werden. Während der Periode sei man besonders anfällig für Infektionen.

Stoffbinden kann man auch selbst nähen. Bildrechte: Colourbox.de

Waschbare Slipeinlagen und Binden

Waschbare Binden sind laut der Deutschen Welle aus reiner Baumwolle und halten etwa fünf Jahre lang. Man kann sie auch selbst nähen, im Internet finden sich zahlreiche Anleitungen.

Um sie hygienisch zu reinigen, muss man sie bei mindestens 60 °C mit Waschpulver waschen. Dadurch seien waschbare Einlagen umweltschädlicher als Menstruationstassen, die nur in einem kleinen Topf ohne Waschmittel abgekocht werden müssen.

Menstruationsunterwäsche

Menstruationsunterwäsche ist normalerweise auch aus Baumwolle oder Merinowolle gemacht. Sie eignet sich besonders gut, um sie mit einer Tasse zu verbinden, denn doppelt hält besser. Sie sind erstaunlich dünn und können laut Herstellern etwa zwei Tampons ersetzen, bevor sie gewaschen werden müssen. Inzwischen gibt es Menstruationsslips auch als sexy Strings oder mit Spitze.

Aber Vorsicht: "Women Engage for a Common Future" warnt vor potenziell gesundheits- und umweltschädlichen Chemikalien in Menstruationsunterwäsche. Sogenannte Biozide würden Slips beigesetzt, die Plastik enthalten, um sie hygienisch zu machen und Gerüche zu vermeiden. Denn Stoff mit Plastikanteil kann nicht heiß genug gewaschen werden.

Auch der Preis ist zu beachten: Laut der Deutschen Welle kostet Menstruationsunterwäsche im Dreierpack rund 90 Euro, während eine Schachtel mit 32 Binden nur fünf Euro kostet. Allerdings können die Slips demnach bis zu zwei Jahre lang wiederverwendet werden.

Menstruationsschwämme kann man einfach passend zuschneiden. Bildrechte: Colourbox.de

Menstruationsschwämme

Schwämme sind eine eher unbekannte Alternative zu Tampons. Sie bestehen aus natürlichem Schwamm, also einem nachwachsenden Rohstoff. Ein Schwämmchen kann laut "Women Engage for a Common Future" etwa sechs Monate lang genutzt und nur alle acht Stunden ausgewaschen werden.

Anbietern zufolge kann man die Schwämmchen auch beim Sport oder Sex gut tragen. Allerdings sollte man vorsichtig sein, dass sie nicht zu weit hochrutschen, denn viele haben im Gegensatz zum Tampon keine Schnur, an der man sie wieder herausziehen kann.

Hersteller raten dazu, den Schwamm über Nacht in Essigwasser oder Wasser mit Teebaumöl einzuweichen. Wirklich steril werde der Schwamm aber nicht, weshalb das Risiko für Infektionen bestehe, warnen Organisationen.

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Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 09. März 2023 | 17:15 Uhr