ZwangsstörungMessie-Syndrom: Diese Gruppe ist am häufigsten betroffen
Die Wohnung vermüllt, die Küche voller Geschirrberge, es riecht muffig und abgestanden. Für den Laien ist klar: Hier wohnt ein Messie. Dabei steckt hinter dem "Messie-Syndrom" mehr als nur eine Wohnung, in der man sich nicht mehr bewegen kann.
Schon "Messie" oder noch Sammler?
"Messies sammeln unbrauchbare Dinge, können diese nicht wegwerfen und verlieren schließlich den Überblick darüber", sagt Prof. Alfred Pritz von der Sigmund Freud-Universität in Wien.
Darin unterscheiden sich Messies von "echten" Sammlern, die ihre Dinge meist nach Prinzipien ordnen und deren Psyche durch das Sammeln nicht negativ beeinträchtigt wird.
Diese Gruppe ist besonders gefährdet
Expertinnen und Experten sprechen in dem Zusammenhang deshalb auch vom pathologischen Horten und einer Wertbeimessungsstörung. In der Realität sind zugemüllte Wohnungen allerdings eher die krassen Ausnahmen.
Übrigens sind laut AOK alleinlebende Menschen am häufigsten betroffen. Und: ältere Menschen häufiger als junge, Männer häufiger als Frauen.
"Messies" wollen aufräumen, können aber nicht
Häufiger dagegen trifft man Messies, die so etwas wie Perfektionisten sind: "Im Beruf vollbringen sie oft große Leistungen, aber mit den kleinen Aufgaben des Alltags sind sie völlig überfordert", weiß Prof. Alfred Pritz. "Messies" wollen aufräumen, können aber nicht. Hinter dem Verhalten steckt also keine Faulheit, eher ein ernstes Problem mit der Organisation.
Wie helfe ich jemandem mit Messie-Syndrom?
Weil pathologisches Horten mittlerweile als Zwangsstörung klassifiziert wird, helfen auch Ermahnungen oder Aufräumaktionen nicht - oder nur sehr kurzfristig. Professionelle Hilfe und die Unterstützung von Angehörigen ist das A und O beim Umgang mit dem "Messie-Syndrom".
Kognitive Verhaltenstherapien sollen helfen
Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Auch wenn der Widerstand von Betroffenen zum Anfang meist groß ist, sollte das Thema kognitive Verhaltenstherapien besprochen werden. In solchen individuellen Therapien lernen "Messies", ihren Besitz zu ordnen und zu organisieren. Außerdem werden alternative Verhaltensweisen besprochen und das Wegwerfen geübt. Dabei ist viel Feingefühl gefragt.
Auch regelmäßige Treffen in einer Selbsthilfegruppe können positiv wirken.
Quellen und weiterführende Links:
Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 02. Mai 2024 | 17:15 Uhr