Zuckerersatz WHO: Süßstoff Aspartam "möglicherweise krebserregend" - was bedeutet das?

Viele süße Getränke gibt es sowohl mit Zucker als auch mit anderen Süßungsmitteln
Viele süße Getränke gibt es sowohl mit Zucker als auch mit anderen Süßstoffen wie Aspartam. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO hat am Freitag (14.07) den Süßstoff Aspartam als "möglicherweise krebserregend" eingestuft. Die IARC führt insgesamt vier Bewertungsstuften: krebserregend, wahrscheinlich krebserregend, möglicherweise krebserregend und nicht klassifizierbar. Bei der Bewertung wird sich allerdings nur an der Stärke der Beweise orientiert und nicht, wie gefährlich eine Substanz ist.

In die Kategorie "möglicherweise krebserregend" stuft die IARC beispielsweise auch Aloe Vera, Benzin oder auch die Arbeit in einer Tischlerei ein.

Vielfältige Einsatzgebiete von Aspartam

Das kalorienarme Süßungsmittel Aspartam ist in Europa für die Verwendung als Tafelsüßstoff und als Lebensmittelzusatzstoff in Nahrungsmitteln unter dem Kürzel E 951 zugelassen - etwa in Getränken, Desserts, Süßwaren, Milchprodukten, Kaugummi, kalorienreduzierten Produkten und Erzeugnissen zur Gewichtskontrolle.

Ist Aspartam wirklich gefährlich?

Doch welche Gefahr geht wirklich von Aspartam aus? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht bei der Verwendung von Aspartam keine Gesundheitsbeeinträchtigung. In einer im Februar 2023 veröffentlichten Stellungnahme weist es aber auch darauf hin, dass die Studienlage für eine Risikobewertung aktuell unzureichend ist.

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA gilt Aspartam aufgrund eingehender Sicherheitsbewertungen als unbedenklich für den menschlichen Verzehr. Eine Aufnahmemenge von 40 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag gilt laut ihnen als nicht schädlich.

Die Liste der Inhaltsstoffe einer Cola Zero
Die Inhaltsstoffe einer Dose Cola. Aspartam ist dabei. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Menge ist entscheidend

Auch der WHO-Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe (JECFA) sieht den Verzehr von Aspartam innerhalb der akzeptierten Tagesmengen schon seit 1981 als sicher an. So müsste ein Erwachsener mit einem Gewicht von 60 Kilogramm jeden Tag zwischen zwölf und 36 Dosen Diätlimonade trinken - abhängig von der Aspartammenge im Getränk - um gefährdet zu sein.

Diese Einschätzung wird von nationalen Regulierungsbehörden weitgehend geteilt, auch in den USA und Europa.

Finger halten kleine weißeTablette über Kaffeetasse, daneben Dose mit Aufschrift "Süßstoff"
Süßstoffe erfreuen sich großer Beliebtheit. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / teutopress

Studien sorgen für Aufsehen

Im vergangenen Jahr zeigte eine französische Studie mit 100.000 Erwachsenen allerdings auch, dass Menschen, die größere Mengen an künstlichen Süßstoffen - einschließlich Aspartam - konsumierten, ein leicht erhöhtes Krebsrisiko haben.

Sie folgte auf eine Studie des Ramazzini-Instituts in Italien aus den frühen 2000er-Jahren, in der berichtet wurde, dass einige Krebsarten bei Mäusen und Ratten mit Aspartam in Verbindung gebracht wurden.

Die erste Studie konnte jedoch nicht nachweisen, dass Aspartam das erhöhte Krebsrisiko verursacht, und die Methodik der zweiten Studie wurde von der EFSA in Frage gestellt.

(Dieser Artikel wurde erstmals am 30.06.2023 veröffentlicht)

BRISANT/who/bfr/reuters

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. Juli 2023 | 17:15 Uhr

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