Die Straߟe zu einem Kinder- und Jugendhilfezentrum ist abgesperrt.
Schock in Wunsiedel: In einer Kinderhilfe-Einrichtung ist eine Zehnjährige tot aufgefunden worden. Bildrechte: dpa

Wunsiedel Zehnjähriges Mädchen tot in Kinderheim - Elfjähriger offenbar an Tat beteiligt

05. September 2023, 11:56 Uhr

Ein neuerlicher Fall von Gewalt unter Kindern? In Wunsiedel ist in einer Einrichtung der Kinderhilfe ein zehnjähriges Mädchen tot aufgefunden worden. Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt und von der Tatbeteiligung eines elfjährigen Jungen aus.

Elfjähriger der Tatbeteiligung verdächtig

Nachdem am Dienstag (4. April) ein zehn Jahre altes Mädchen tot im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Wunsiedel in Oberfranken gefunden wurde, verdächtigt die Polizei einen Elfjährigen, an der Tat beteiligt gewesen zu sein.

Er habe im selben Kinderheim wie die Getötete gewohnt. "Da der Junge nicht strafmündig ist, wurde er in einer gesicherten Einrichtung präventiv untergebracht", so Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag (7. April).

Eine Anhörung des Elfjährigen stand nach Polizeiangaben vom Freitag noch aus. Die weiteren Maßnahmen würden in enger Abstimmung mit den Jugendbehörden erfolgen. Ob der Junge inzwischen befragt wurde und ob er etwas zu Tat sagt oder gesagt hat, ist derzeit noch unklar.

Innenminister Herrmann dankt Sonderkommission

Spezialisten sicherten in der Einrichtung umfangreich Spuren. Die Kriminalpolizei hat zudem eine Sonderkommission gebildet. Die Behörden hatten den Fall erst einen Tag später bekannt gemacht, um zunächst umfangreich Spuren sichern und Zeugen befragen zu können.

"Die Soko Park und das Bayerische Landeskriminalamt bei der Spurenauswertung haben hervorragende Arbeit geleistet", lobte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. "Den akribischen und hochengagierten Ermittlungen ist zu verdanken, dass in vergleichsweise kurzer Zeit ein Tatbeteiligter ermittelt werden konnte."

Der Innenminister sprach in diesem Fall von sehr schwierigen und komplexen Ermittlungen, insbesondere auch weil sehr viele Kinder und Jugendliche befragt werden müssen. "Da ist ausgesprochen viel Fingerspitzengefühl gefragt." Laut Herrmann ist die Arbeit der Ermittler aber noch lange nicht abgeschlossen. "Jetzt gilt es, die genauen Hintergründe dieser Schreckenstat aufzuklären."

Ortsschild der Stadt Wunsiedel.
Normalerweise werden in dem katholischen Heim in Wunsiedel etwa 90 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland betreut. Bildrechte: dpa

Tötungsdelikt, aber kein Sexualdelikt

Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt aus, wie die Staatsanwaltschaft Hof bestätigte, allerdings nicht von einem Sexualdelikt.

Erste rechtsmedizinische Untersuchungen hätten Hinweise erbracht, dass eine Fremdeinwirkung für den Tod des Mädchens ursächlich sein dürfte. Zunächst war auch ein Unfall als Todesursache in Frage gekommen.

Angestellte der Einrichtung hatten das Kind am Dienstag (4. April) leblos in seinem Zimmer des Kinder- und Jugendhilfezentrums entdeckt. Ein Notarztteam konnte nur noch den Tod des Mädchens feststellen. Zur Klärung der genauen Todesursache wurde eine Obduktion angeordnet. Diese hatte erste Anzeichen für ein Fremdverschulden am Tod des Kindes ergeben.

Ein Einsatzwagen der Polizei steht vor einer Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung (weiߟes Haus auf der linken Seite).
Ihre Ermittlungen konzentrieren die Beamten auf das Kinder- und Jugendhilfezentrum. Bildrechte: dpa

Nach mutmaßlichem Tötungsdelikt: Einrichtung um Normalität bemüht

Wie viele Kinder und Jugendliche derzeit im Kinder- und Jugendhilfezentrum St. Josef in Wunsiedel untergebracht sind, konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hof nicht sagen. Aufgrund der Ferienzeit sei die Einrichtung nicht voll belegt.

Normalerweise werden in dem katholischen Heim etwa 90 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland voll- und teilstationär betreut. Die meisten von ihnen stammen aus schwierigen Familienverhältnissen. Ihre Wohnquartiere sind über ein weitläufiges Gelände verteilt.

Nun versucht die Kinderhilfe-Einrichtung, den Vorfall mit professioneller Hilfe zu bewältigen. Für die Kinder, Jugendlichen und Beschäftigten sei es wichtig, ein Stück weit Normalität zu erleben, sagte eine Sprecherin der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg.

BRISANT/dpa/AFP

(Dieser Artikel wurde am 06.04.2023 zum ersten Mal veröffentlicht und seitdem mehrfach aktualisiert.)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 07. April 2023 | 17:15 Uhr

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