Jane Fonda ballt während einer Ansprache ihre Hand zu einer Faust.
Aktivistin mit Leib und Seele: Seit mehr als einem halben Jahrhundert setzt sich Jane Fonda für eine bessere Welt ein. Bildrechte: dpa

Vorbild oder Greenwashing? Diese Promis setzen sich fürs Klima ein – und so können auch Sie helfen

17. Oktober 2023, 15:16 Uhr

Immer mehr Prominente stehen für einen nachhaltigen Lifestyle und setzen sich aktiv für Klima und Umwelt ein – manche seit Jahren oder teils Jahrzehnten, andere haben das Thema erst kürzlich für sich entdeckt. BRISANT wirft einen Blick auf die Projekte der Stars.

Leonardo DiCaprio

Leonardo DiCaprio war einer der ersten ganz großen Stars, die sich öffentlich für die Umwelt und den Klimaschutz einsetzten. So wirkte er nicht nur in einer Vielzahl von Spielfilmen mit, sondern hat auch schon zwei Dokumentarfilme produziert, die die Auswirkungen des Klimawandels aufzeigen sollen: "The 11th Hour" (2007) und "Before the Flood" (2016). 

Seit 1998 – damals war Leonardo DiCaprio gerade einmal 24 Jahre alt – besitzt der Schauspieler eine eigene Stiftung: die "Leonardo DiCaprio Foundation". Mit der LDF hat er eine Organisation ins Leben gerufen, die sich für den Naturschutz auf der ganzen Welt einsetzt.

Beispiele für Projekte der LDF:

  • Gemeinsam mit der Meeresschutzorganisation "Sea Shepherd" engagierte sich LDF für das Überleben der kleinsten Meeressäuger der Welt, den Vaquitas. 
  • 2013 spendete die "Leonardo DiCaprio Foundation" drei Millionen Dollar an den WWF, um die letzten Tiger in Nepal zu schützen. 
  • Im Dezember 2013 stieg Leonardo DiCaprio beim Automobilhersteller "Venturi Automobiles" ein, um kraftstoffsparende Autos zu bauen, die auf sauberer Energie basieren.

Noch dazu ist Leonardo DiCaprio Vorstand mehrerer Umweltschutzorganisationen sowie UN-Friedensbotschafter mit Fokus auf Klimathemen. Zusammen mit Laurene Powell Jobs, der Witwe des Apple-Gründers Steve Jobs, hat der Oscar-Preisträger 2019 die Organisation "Earth Alliance" gegründet. Sie wollen als Reaktion auf die Erderhitzung in Bereichen wie erneuerbare Energien, sauberes Trinkwasser und Schutz von Ökosystemen mit Wissenschaftlern und Aktivisten arbeiten.

Zweifel an Leonardo DiCaprios Engagement

Allerdings steht Leonardo DiCaprio auch immer wieder in der Kritik: Klimaschützer werfen ihm vor, dass sein Umwelt-Engagement nicht ganz ehrlich sei. Ihnen ist beispielsweise ein Dorn im Auge, dass der Schauspieler begeisterter Jacht-Urlauber ist und regelmäßig Reisen mit seinem Privatjet absolviert – und sogar andere Menschen dazu animiert.

2016 richtete er eine Spendengala in Saint-Tropez aus, zu der die rund 500 Teilnehmer per Flugzeug anreisen mussten. Eingeladen waren unter anderem Kate Hudson, Charlize Theron, Cate Blanchett, Marion Cotillard, Penélope Cruz, Robert De Niro und Scarlett Johansson. Die britische "Daily Mail" rechnete damals aus: Pro Star fielen sieben bis 86 Tonnen CO2 an, je nachdem, ob sie Linie oder Privatjet bevorzugten. Die "Daily Mail" bezeichnete Leonardo DiCaprio sogar als "Öko-Heuchler".

Leonardo DiCaprio
Pure Überzeugung oder geschickte PR-Taktik? Leonardo DiCaprio wird für seinen Einsatz fürs Klima gefeierz – aber auch kritisiert. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Jane Fonda

Von der Aktivisten zur Filmikone – oder war es eigentlich andersherum? Seit den 1960er-Jahren setzt sich Jane Fonda für eine bessere Welt ein: Erst kämpfte sie vehement gegen den Vietnamkrieg, später gegen die Nutzung von Kernenergie. Seit 2019 nimmt Jane Fonda aktiv an der öffentlichen Debatte um die Klimakrise teil. Nach dem Vorbild der "Fridays for Future"-Bewegung rief Jane Fonda die Klimaschutzinitiative "Fire Drill Fridays" ins Leben. Jeden Freitag finden Demonstrationen in Washington statt. Mehrmals wurde die Hollywoodschauspielerin im Rahmen der Demos verhaftet – und präsentierte den umstehenden Paparazzi stolz ihre Handschellen.

Jane Seymour Fonda 2 min
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BRISANT Mi 15.03.2023 17:15Uhr 02:19 min

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Video

Wir können es nicht jungen Menschen überlassen, diesen Kampf für ihre Zukunft selbst zu führen.

Jane Fonda The Guardian

Als Jane Fonda dieses Jahr auf Einladung des "Baulöwen" Richard Lugner zum Wiener Opernball reiste, kritisierte sie das Sponsoring des Balls durch den Erdöl-, Erdgas-Konzern OMV: "Es hat mir wehgetan, das zu hören. Die Oper sollte kein Geld von solchen Firmen nehmen", so Fonda nach Angaben des österreichischen "Standard": "Ölkonzerne sind kriminell und sie töten Menschen. Wir dürfen das nicht geschehen lassen, bitte bringt die Oper dazu, solche Sponsoren nicht mehr zuzulassen."

Allerdings reiste Jane Fonda aus den Vereinigten Staaten umwelt-unfreundlich an und begründete den Langstreckenflug damit, dass ihr "viel Geld" angeboten worden sei, das sie dringend brauche.

In den Sozialen Netzwerken löste die Filmikone mit ihrer Stellungnahme eine Debatte aus: "Jane Fonda fliegt mit dem Jet um die halbe Welt, ist Testimonial für den Billigmodekonzern H&M, lässt sich von einem Immobilienhai fürstlich für einen Abend bezahlen, aber dass die OMV den Opernball sponsert, ist für sie ein Problem. Genau mein Humor", schrieb so zum Beispiel eine Twitter-Nutzerin.

Jane Fonda wird von eine*r Polizist*in abgeführt
Jane Fonda wird bei einer Demo abgeführt. Bildrechte: dpa

Joaquin Phoenix

Joaquin Phoenix' Bewusstsein für Klima- und Tierschutz gründet tief: Seit seiner Kindheit ist der Schauspieler und Oscar-Preisträger Veganer. Vorbild war und ist sein verstorbener Bruder River Phoenix, nachdem er auch seinen 2020 geborenen Sohn benannt hat. Der Nachwuchs-Schauspieler war ein überzeugter Umwelt-und Tierschützer und lebte ebenfalls als Veganer. Er unterstützte die Tierrechtsorganisation PETA, half bei Spendensammlungen und kaufte Regenwald in Costa Rica.

Auch Joaquin und seine Frau Rooney Mara engagieren sich für PETA. So trägt Joaquin Phoenix konsequent selbst in Filmen nur pelz- und lederfreie Kleidung. Für einen Gänsehautmoment sorgte Joaquin Phoenix bei der Oscarverleihung 2020, als er den Goldjungen für seine Darstellung des Jokers erhielt. In seiner Dankesrede machte er auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam.

Wir müssen unsere Stimmen für die Stimmlosen einsetzen. [...] Ich glaube, dass wir uns von der natürlichen Welt sehr abgekoppelt haben, und viele von uns machen sich einer egozentrischen Weltsicht schuldig – dem Glauben, dass wir das Zentrum des Universums sind.

Wir gehen in die natürliche Welt und plündern sie wegen ihrer Ressourcen. Wir fühlen uns berechtigt eine Kuh künstlich zu befruchten und wenn sie ihr Kind zur Welt bringt, stehlen wir ihr Kind, obwohl ihre Angstschreie unverkennbar sind. Dann nehmen wir ihre Milch, die für ihr Kalb bestimmt ist und tun sie in unseren Kaffee und unser Müsli und ich glaube, wir fürchten die Idee der persönlichen Veränderung, weil wir denken, dass wir etwas opfern müssen, um etwas aufzugeben.

Joaquin Phoenix

Handeln und nicht nur reden scheint Joaquin Phoenix' Motto zu sein: Regelmäßig rettet er Nutztiere. Nur einen Tag nach seiner legendären Oscar-Rede befreite er zusammen mit der Tierschutzorganisation "Farm Sanctuary" eine Kuh und ihr neugeborenes Kalb aus einem Schlachthaus in Los Angeles. Die Tiere dürfen den Rest ihres Lebens auf einem Gnadenhof verbringen. Das Muttertier versah er daher mit dem Namen Liberty (deutsch: Freiheit), ihr kleines Kalb heißt zukünftig Indigo. Außerdem nimmt Joaquin Phoenix regelmäßig an Jane Fondas "Fire Drill Fridays" teil.

Thomas D

Es sind aber nicht nur die internationalen Stars, die sich für Nachhaltigkeit engagieren. Auch viele deutsche Prominente haben ein Herz für die Umwelt sowie das Klima.

Thomas D von den "Fantastischen Vier" engagiert sich zum Beispiel seit vielen Jahren für Umweltschutz, Tierrechte und soziale Projekte, wofür er 2013 mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde.

Mit seiner Familie und befreundeten Musikern ist er in der Eifel auf's Land gezogen. Dort bewirtschaftet der Musiker einen Bauernhof, der mit einer Solarstromanlage auf dem Dach versehen ist und mit Pellets beheizt wird. Außerdem ist Thomas D überzeugter Veganer. Aufgrund seines Engagements und seines nachhaltigen Lifestyles wurde er 2016 mit dem "GreenTec Award" ausgezeichnet.

Seine Erfahrung und Leidenschaft für den Umweltschutz gibt er im Vorabendformat "Wissen vor acht – Natur" weiter.

Thomas D von der Band Die Fantastischen Vier
Thomas D erfüllt sich auf seinem Bauernhof dem Traum vom nachhaltigen Leben. Bildrechte: dpa

Die Toten Hosen und Die Ärzte

Musik goes Umweltschutz? Ja, das geht! Seit 2007 führen Die Ärzte ihre Tourneen klimaneutral durch, indem sie sämtliche CO2-Emissionen, die bei ihren Konzerten anfallen, beispielsweise durch das Pflanzen von Bäumen kompensieren lassen.

Vergangenes Jahr starteten sie zusammen mit den Toten Hosen einen weiteren Versuch in Sachen Umweltschutz: Auf dem Tempelhofer Feld in Berlin veranstalteten die beiden Punkrockbands ökologisch nachhaltige Open-Air-Konzerte – Humus-Toiletten und der Verkauf von kompostierbaren T-Shirts inklusive.

"Wir wollen versuchen, uns bei unseren Veranstaltungen so klimapositiv und nachhaltig zu verhalten, wie wir es von der Bühne herab predigen", so die Ärzte-Mitglieder Bela B., Farin Urlaub und Rod González gegenüber der dpa. "Wir sind bereit, dafür Opfer zu bringen und wissen, dass wir viel verlangen, wenn wir Euch da mit ins Boot holen, aber ohne Euch geht es nicht. Wir müssen den Willen zur Veränderung gemeinsam demonstrieren!"

Spenden für den Klimaschutz – Darauf sollte man achten

Um etwas gegen für Klimaschutz zu tun, muss man kein Promi sein: Auch kleine Veränderungen im Alltag können enorme Effekte haben. Wer gegen den Klimawandel aktiv werden und an Organisationen spenden möchte, hat verschiedene Möglichkeiten, sollte aber auch vorsichtig sein, an wem man sein Geld gibt.

Bei der Wahl der richtigen Spendenorganisation sollte man im Vorfeld unbedingt genau hinschauen. Hier eine Checkliste, mit der man seriöse Organisationen erkennen kann:

  • Transparenz – Die Organisation erklärt auf ihrer Website ganz genau und detailiert, wie sie die erhaltenen Spendengelder nutzt. Dazu gehören auch Informationen darüber, wie viel der gesammelten Spenden direkt in die Projekte fließen und welche Beträge für organisatorische Zwecke verwendet werden.
  • Impressum – Die Organisation stellt ihre Kontaktdaten zur Verfügung.
  • Spendenquittung – Die Organisation sollte in der Lage sein, eine Spendenquittung auszustellen. Darf sie diesen Beleg nicht ausstellen, hat sie in der Regel nicht den Status der Gemeinnützigkeit.


Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. März 2023 | 17:15 Uhr

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