Prinz Harry bei Verlassen der Königlichen Gerichtshöfe.
Prinz Harry zieht gegen Teile der britischen "Yellow Press" vor Gericht. (Archiv) Bildrechte: dpa

Prozess Erster Teilsieg: Prinz Harry vor Gericht - darum geht's

19. Mai 2023, 13:24 Uhr

Die britische "Yellow Press" soll sich illegal Informationen über das Privatleben von Prinz Harry verschafft haben. Der 38-Jährige will sich das nicht gefallen lassen und hat den Verlag deshalb verklagt.

Nur wenige Tage nach der Krönung von Vater König Charles III. zieht Prinz Harry vor Gericht - gegen Teile der britischen Boulevard-Presse. In dem Prozess gegen den Verlag "Mirror Group Newspapers" (MGN), der am Mittwoch (10.05.) begonnen hat, geht es um abgehörte Telefonate und illegal erhaltene Informationen, die Dutzende Artikel über Harry gefüllt haben sollen.

Der 38-Jährige klagt, die Presse habe ihn seit seinen frühesten Tagen verfolgt. Berichte hätten seine Beziehungen zu Freundinnen zerstört und er leide an Verfolgungswahn.

Prinz Harry bei der Krönungszeremonie
Am vergangenen Wochenende war Prinz Harry noch bei der Krönung seines Vaters in London. (Archiv) Bildrechte: Getty Images

Prinz Harry selbst im Zeugenstand?

Zum Prozess-Auftakt war der Prinz nach seiner kürzlichen Rückkehr in die USA nicht anwesend. Doch im Juni will Harry vor Gericht als Zeuge aussagen. Es wäre das erste Mal seit dem 19. Jahrhundert, dass ein ranghoher Royal diesen Schritt geht.

Illegale Methoden angewendet?

Im Prozess geht es um gut 140 Artikel in den Zeitungen "Daily Mirror", "Sunday Mirror" und "Sunday People" aus der Zeit von 1996 bis 2010, bei denen die Zeitungen illegal an Informationen gekommen sein sollen. Die Rede ist von illegalen Methoden wie dem Abfangen von Handy-Sprachnachrichten und dem Erschleichen medizinischer Daten.

Prinz Harry bei Verlassen der Königlichen Gerichtshöfe.
Prinz Harry will im Juni selbst in den Zeugenstand. (Archiv) Bildrechte: dpa

Verlag verteidigt sich: "Fristen nicht eingehalten"

Dass der "Mirror" einst Telefone von Prominenten abgehört hat, ist bekannt. Dutzende Millionen Pfund Schadenersatz musste der Verlag deshalb bereits bezahlen.

Die jetzige Verteidigungsstrategie des Verlags beruht in erste Linie darauf, dass Harry seine Klagen nicht innerhalb einer vorgeschriebenen Frist eingereicht habe. Zudem seien viele Artikel legal zustande gekommen. Bekannte des Prinzen hätten die Stories zu Geld gemacht oder Höflinge hinterrücks getratscht, heißt es.

Harrys Abneigung gegen die "Yellow Press"

Für Harry ist der Feldzug gegen die berüchtigte "Yellow Press" eine zutiefst persönliche Angelegenheit. In seiner Biografie und in vielen Interviews seit seinem Umzug in die USA hat er keine Gelegenheit ausgelassen, dem Boulevard eine erhebliche Mitschuld am kalten und teils unmenschlichen Klima im Palast zu geben, über das Ehefrau Meghan öffentlich geklagt hat.

Zudem gibt Harry der "Yellow Press" die Schuld am Unfalltod seiner Mutter Diana im Jahr 1997.

Prinzessin Diana, Prinz Harry, Prinz William und Prinz Charles, 1995
Harry (2.v.l.) macht die "Yellow Press" für den Tod seiner Mutter, Prinzessin Diana, verantwortlich. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Harry auf jeden Fall moralischer Sieger?

Harrys Schritt vor Gericht ist wenig überraschend, denn wie er in seiner Biografie "Reserve" schreibt, sei es für ihn zur Lebensaufgabe geworden, Teile der Medien und deren zweifelhafte Methoden zu reformieren.

"Selbst wenn der Herzog von Sussex der Mirror Group kein rechtswidriges Verhalten nachweisen kann, wird er wahrscheinlich eine Art Sieg erringen", heißt es dazu in der Zeitschrift "New Statesman". Gemeint ist ein moralischer Sieg, der die Medienlandschaft in Großbritannien verändern könnte.

Erster Teilsieg für Prinz Harry

Ein erster Schritt in die richtige Richtung dürfte Prinz Harry bereits am ersten Prozesstag gelungen sein. Der Verlag entschuldigte sich zum Prozessauftakt in einer schriftlichen Eingabe dafür, teilweise die Bespitzelung Harrys und anderer Prominenter in Auftrag gegeben zu haben. Das werde nie wieder vorkommen, gelobte der Verlag Mirror Group Newspapers (MGN).

BRISANT/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. Mai 2023 | 17:15 Uhr

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