FAQ Ursachen, Symptome, Behandlung – Das müssen Sie zum Thema Schlaganfall wissen

Ein Schlaganfall ist lebensbedrohlich. Häufig beginnt er mit einer halbseitigen Lähmung, Sprach- oder Sehstörungen. Wird die Situation frühzeitig erkannt, kann jedoch meist das Schlimmste verhindert werden. Worauf sollte man achten? Die wichtigsten Antworten im FAQ:

Grafische Darstellung eines Schlaganfalls
Bei Schlaganfall gilt: keine Zeit verlieren! Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Wie häufig ist ein Schlaganfall?

Knapp 270.0000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall. Nach Herzinfarkt und Krebs ist ein Schlaganfall mit 15 Prozent aller Todesfälle laut Statistischem Bundesamt in Deutschland die dritthäufigste Todesursache.

Tendenz steigend, denn Forscher der Universität von Oxford haben berechnet, dass die Zahl an Schlaganfall-Patienten bis 2040 um 30 Prozent steigen wird. Die Zahl der Patienten soll unter anderem deshalb zunehmen, da die Menschen immer älter werden und damit auch das Risiko steigt, einen Schlaganfall zu erleiden. Das ist auch deshalb beunruhigend, da der Schlaganfall die häufigste Ursache für Behinderungen bei Erwachsenen ist.

Mann hält sich den Kopf, Umgebung verschwommen
Taubheitsgefühl? Sehstörungen? Das könnten Anzeichen für einen Schlaganfall sein. Bildrechte: Colourbox.de

Was ist die Ursache für einen Schlaganfall?

Der Grund ist häufig eine Durchblutungsstörung im Gehirn, zum Beispiel durch eine verengte Halsschlagader. In mehr als 80 Prozent der Fälle ist eine Arterie, die das Gehirn mit Blut versorgt, durch ein sogenanntes Gerinnsel verstopft. Hierdurch erhalten die Nervenzellen des Gehirns zu wenig Blut und Sauerstoff.

Auch Hirnblutungen nach dem Riss eines Blutgefäßes im Gehirn können einen Schlaganfall auslösen. Das macht knapp 15 Prozent aller Fälle aus. Ein Aneurysma ist die seltenste Ursache für einen Schlaganfall. Dabei kommt es zu einer Blutung aus einer Gefäß-Aussackung.

Symptome: Time is Brain - Zeit ist Gehirn

Mit dem Gefäßverschluss, der den typischen Schlaganfall auslöst, gehen laut der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) im Schnitt 1,9 Millionen Nervenzellen pro Minute zugrunde. Zeit ist also der wesentlichste Faktor, um die Folgen des Schlaganfalls so gering wie möglich zu halten.

Das sind die typischen Schlaganfall-Symptome:

  • schlagartige Lähmung oder Gefühlsstörung einer Körperhälfte
  • plötzlich auftretende Sprechstörungen, Schwierigkeiten die Sprache von anderen zu verstehen
  • Sehstörungen, zum Beispiel Doppelbilder
  • schlagartig auftretende heftige Kopfschmerzen
  • plötzlicher starker Schwindel

Schlaganfall erkennen: Machen Sie den "FAST"-Test

Die größte Chance, den Schlaganfall effektiv zu behandeln, besteht also innerhalb der ersten Stunden nach dem Beginn der Symptome, deshalb der Spruch "time is brain" (Deutsch: Zeit ist Gehirn.)

Daher ist es besonders wichtig, einen Schlaganfall und die Symptome zu erkennen. Jede Minute zählt!

Helfen kann der sogenannte "FAST"-Test

  • F steht für "Face", man soll sich das Gesicht ansehen, ob es einseitig gelähmt ist.
  • "A" steht für "Arme", man soll den Betroffenen beide Arme heben lassen.
  • "S" steht für Sprache: Man soll hören, ob der Betroffenen verwaschen spricht.
  • "T" steht für "Time": Man soll keine Zeit verlieren und den Notruf 112 wählen.

Grafik erklärt FAST-Methode zum Erkennen von Schlaganfällen. F steht für "Face", man soll sich das Gesicht ansehen, ob es einseitig gelähmt ist. "A" steht für "Arme", man soll den Betroffenen beide Arme heben lassen. ""S" steht für Sprache": Man soll hören, ob der Betroffenen verwaschen spricht. "T" steht für "Time": Man soll keine Zeit verlieren und den Notruf 112 wählen.
Die FAST-Methode zum Erkennen von Schlaganfällen: F steht für "Face", man soll sich das Gesicht ansehen, ob es einseitig gelähmt ist. "A" steht für "Arme", man soll den Betroffenen beide Arme heben lassen. "S" steht für Sprache": Man soll hören, ob der Betroffene verwaschen spricht. "T" steht für "Time": Man soll keine Zeit verlieren und den Notruf 112 wählen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Leichter Schlaganfall

Ein leichter Schlaganfall, auch als vorübergehende Durchblutungsstörung bezeichnet, tritt auf, wenn sich in einer der Arterien ein vorübergehendes Blutgerinnsel bildet. Das kann zu Schlaganfallsymptomen führen, die aber in der Regel innerhalb von 24 Stunden abklingen und keine dauerhaften Nebenwirkungen verursachen.

Es kann aber ein erstes Signal für einen ernsthaften Notfall sein und sollte deshalb immer schnellstmöglich medizinisch abgeklärt werden, auch wenn die Symptome nach einiger Zeit wieder verschwunden sind.

Behandlung eines akuten Schlaganfalls

Die Behandlung eines akuten Schlaganfalls hängt u.a. von der Form, vom Ausmaß und vom Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens der Symptome ab. Je früher die Behandlung beginnt, desto größer sind die Chancen, Schäden im Gehirn und an anderen Organen zu vermeiden.

Patienten werden in sogenannten Stroke Units behandelt. Das sind Spezialstationen, auf denen Betroffene in den ersten Tagen nach ihrem Schlaganfall behandelt werden. Meist wird dort eine Thrombolyse durchgeführt: Bis zu 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome können Neurologen das Blutgerinnsel mittels eines Medikamentes, der sogenannten Lyse, wieder auflösen. Ist dieses Zeitfenster überschritten oder ist das Gerinnsel besonders groß, kommt eine Thrombektomie zum Einsatz. Mithilfe eines Katheders wird das Gerinnsel dabei mechanisch entfernt. Dieser Eingriff ist im Einzelfall noch bis zu 24 Stunden nach dem Schlaganfall möglich.  

Das Zeitfenster, in dem Schlaganfall-Patienten von einer Thrombektomie profitieren können, ist damit deutlich größer als man bislang annahm. Noch bis 2018 galt, dass geschädigtes Gewebe nur etwa sechs bis acht Stunden nach dem Schlaganfall gerettet werden kann. Inzwischen weiß man, dass auch lange darüber hinaus noch Hoffnung besteht.

Einlieferung eines Schlaganfall-Patienten in die Stroke Unit des Uni-Klinikums Erfurt
Stroke Units sind spezielle Abteilungen für Schlaganfall-Patienten. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Dennoch keine Zeit verlieren!

"Das bedeutet nicht, dass man lange warten sollte, um Hilfe zu holen," betont Dr. Alexander Reinshagen, Chef der neurologischen Abteilung am Sana Klinikum in Borna. Immer wieder erlebt er, dass Patienten sich nach dem Auftreten der ersten Symptome erst noch einmal hinlegen, um sich auszuruhen und sich vielleicht von selbst wieder zu erholen. "Das ist der schlimmste Fehler", warnt der Hirnexperte.

Es gilt immer noch: Mit jeder Minute sterben Hirnzellen ab und verursachen möglicherweise schwere Schäden am Gehirn, die nicht rückgängig zu machen sind.

Dr. Alexander Reinshagen

Therapieoptionen und Heilungschancen deutlich verbessert

Doch Dr. Reinshagen macht auch Mut: Durch moderne radiologische Bildgebung haben sich die Therapieoptionen und Heilungschancen heutzutage deutlich verbessert. Manche Hirnzellen, die man früher für abgestorben hielt, können wieder "aufgeweckt" werden. Viele Patienten profitieren selbst mehrere Stunden nach einem Schlaganfall noch von einem Kathedereingriff und können sich nach der Entfernung des Gerinnsels und einer Reha weitgehend erholen. Besonders wichtig ist das für Schlaganfälle in der Nacht, bei denen man nicht genau weiß, wann sie tatsächlich aufgetreten sind, was in 15 bis 20 Prozent der Fall ist.

Wie kann man vorbeugen?

Nach einem ersten Schlaganfall besteht ein erhöhtes Risiko für einen weiteren Schlaganfall. Jedes Jahr haben in Deutschland etwa 70.000 Menschen einen erneuten Schlaganfall.

Doch es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Risiko zu senken. In Absprache mit einem behandelnden Arzt können zum Beispiel Medikamente gegen Bluthochdruck und zur Blutverdünnung eingenommen werden. Aber auch ein Rauchstopp, mehr Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können sich positiv auswirken.


Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 10. Mai 2023 | 17:15 Uhr

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