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Durch ein Privatinsolvenzverfahren kann man innerhalb von drei Jahren schuldenfrei werden. Bildrechte: Colourbox.de

FinanzenWie läuft eine Privatinsolvenz ab?

Stand: 06. Februar 2023, 17:05 Uhr

In drei Jahren schuldenfrei? Klingt super, doch einfach ist ein Insolvenzverfahren nicht. Und dass es ernste Folgen hat, wenn man gegen Auflagen verstößt, wissen wir spätestens seit Boris Beckers Haftstrafe.

Mithilfe einer Privatinsolvenz, die juristisch korrekt Verbraucherinsolvenz heißt, kann man sich innerhalb von drei Jahren von seinem Schuldenberg befreien. Auch ohne Einkommen oder einen Sechser im Lotto.

Was passiert vor dem Verfahren?

Vor einem solchen Verfahren müssen private Schuldner versuchen, sich mit den Gläubigern, also denjenigen, denen sie Geld schulden, außerhalb eines Gerichtsverfahrens zu einigen. Scheitert der Versuch, muss das ein Anwalt oder ein Schuldenberater bestätigen.

Damit geht man dann zum Insolvenzgericht, oft das örtliche Amtsgericht, und muss einen Antrag auf Eröffnung der Privatinsolvenz stellen. Das Gericht prüft, ob man wirklich nicht zahlen kann und leitet einen gerichtlichen Einigungsversuch in die Wege. Wenn auch dieser Versuch scheitert, wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

Ein Gericht prüft vor dem Verfahren, ob man wirklich zahlungsunfähig ist. Bildrechte: Colourbox.de

Wie läuft das Insolvenzverfahren ab?

Ist das Verfahren eröffnet, beginnt die sogenannte "Wohlverhaltensphase". Was angenehm klingt, ist in der Realität ziemlich hart: Denn der Schuldner muss drei Jahre lang sein Einkommen abgeben. Verwaltet wird es von einem Treuhänder. Der wird vom Gericht ernannt und leitet das Geld an die Gläubiger weiter.

Wer keinen Job und das Rentenalter noch nicht erreicht hat, muss sich zumindest ernsthaft um Arbeit bemühen. In der Zeit einen neuen Fernseher kaufen oder in den Urlaub fliegen – Fehlanzeige.

Aber: Wenn alle Auflagen erfüllt werden, muss man die Restschulden nach den drei Jahren nicht mehr zahlen. Nach dem Insolvenzverfahren kann man dadurch komplett schuldenfrei sein, auch wenn man in der Zeit kein Einkommen hat.

Muss ich einen Anwalt bezahlen?

Die Gerichtskosten, Kosten des Insolvenzverwalters und des Anwalts werden mit dem Hab und Gut bezahlt, das gepfändet wird. Den zweiten Fernseher muss man zum Beispiel abgeben, aber der Rest der Kosten kann auf Antrag erlassen werden. So kann man auch einen Insolvenzantrag stellen, wenn man schon komplett ohne Geld dasteht.

Der Insolvenzantrag muss beim Insolvenzgericht gestellt werden. Bildrechte: Colourbox.de

Wann kann das Verfahren scheitern?

Wenn man den Pflichten während des Verfahrens nicht nachkommt, kann das Insolvenzverfahren abgelehnt werden. Die wichtigsten Pflichten sind:

  • Vermögens- und Einkommensverhältnisse offenlegen
  • Wohnsitz- und Arbeitsplatzwechsel mitteilen
  • sich um Arbeit bemühen
  • die Hälfte der Erbschaft und besonderer Geschenke abgeben
  • große Gewinne aus Gewinnspielen, Lotterien etc. abgeben

Außerdem kann das Verfahren scheitern, wenn man sein Vermögen verschwendet oder verschleiert, oder wenn man gerade erst ein anderes Insolvenzverfahren abgeschlossen hat.

Auch wenn man zu einer Insolvenzstraftat verurteilt wird, weil man beispielsweise wie Boris Becker Konten verschweigt oder seine Tennis-Trophäen nicht abgeben will, scheitert das Verfahren.

Mit dem Privatinsolvenz- oder Verbraucherinsolvenzverfahren kann man also seinen Schuldenberg relativ schnell loswerden – wenn man nach den Regeln spielt. Beraten lassen sollte man sich auf jeden Fall, beispielsweise hier:

BRISANT/epd/Verbraucherzentrale

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Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 06. Februar 2023 | 17:15 Uhr