Person sitzt mit Toilettenpapierrolle auf Toilette
Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall - Das Reizdarmsyndrom hat viele Symptome. Bildrechte: Colourbox.de

"Kackfluencerin" spricht über Probleme im Alltag So erkennt man das Reizdarmsyndrom und das kann man dagegen tun

18. Oktober 2023, 17:04 Uhr

"Kackfluencerin" bedeutet nicht etwa kacke zu sein, sondern vielmehr darüber zu sprechen! Genau das macht Influencerin Kiki. Sie leidet unter dem Reizdarmsyndrom und hat aus dem Tabuthema einfach eine neue Jobbezeichnung gemacht.

Auf ihrem Instagram-Kanal informiert sie ihre Follower nicht nur über den Umgang mit einem Reizdarm, indem sie zum Beispiel die besten Orte für öffentliche Klos in Hamburg verrät - Tipps, die übrigens auch Menschen ohne Reizdarm helfen. Sie unterhält auch mit "Kack-Geschichten" aus ihrem Alltag, teilt sogar ihre peinlichste Kackstory. Ihre "Kack-Community" liebt die 25-Jährige für ihre Offenheit.

Was ist das Reizdarmsyndrom?

Reizkolon, nervöser Darm, Reizdarmsyndrom (RDS) und Irritable Bowel Syndrome (IBS) - der Reizdarm hat viele Namen. Bei der Darmerkrankung sind die Abwehrfunktion der Darmschleimhaut und die Darmflora gestört. Aber hier kommt die gute Nachricht: Die Krankheit ist nicht gefährlich. Allerdings ist sie in den meisten Fällen chronisch. Das heißt, dass die Beschwerden dauerhaft sind. Bei manchen Betroffenen leidet deshalb die Lebensqualität.

Das sind die häufigsten Symptome beim Reizdarmsyndrom:

  • krampfartige Bauchschmerzen
  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • Schmerzen im Unterbauch
  • Durchfall
  • Verstopfung

Welche Symptome auftreten und wie stark die Beschwerden sind, kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Das Reizdarmsyndrom tritt meist im Alter von 20 bis 30 Jahren zum ersten Mal auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Diagnostiziert wird es durch: eine Magen- und Darmspiegelung, einen Ultraschall des Bauches, eine Blutuntersuchung mit Blutbild aus Leberenzymen, Salzen, Schilddrüsen- und Nierenwerten und eine Stuhluntersuchung.

Aber keine Panik:
Von einem Reizdarmsyndrom spricht man erst, wenn die Symptome länger als drei Monate anhalten und andere Ursachen vom Arzt ausgeschlossen werden konnten.

Frau liegt zusammengekrümmt auf einem Bett
Bauchkrämpfe zählen zu den häufigsten Symptomen eines Reizdarms. Bildrechte: Colourbox.de

Was sind die Ursachen für einen Reizdarm?

Wodurch ein Reizdarm entsteht, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Aber es gibt viele Theorien von Forschern. Eine Rolle könnten Umweltfaktoren und die familiäre Veranlagung spielen. Viele Betroffene haben auch eine sogenannte Barrierestörung. Das bedeutet, dass die Abwehrfunktion der Darmschleimhaut nicht ausreicht – und der Darm schädliche Reizstoffe nicht abblockt.
 
Auch die Darmflora spielt eine wichtige Rolle. Wenn sie gestört ist, gelangen häufiger Reizstoffe in die Darmschleimhaut und stören dort das Nervensystem.
 
Es gibt auch einige Hinweise, dass Entzündungen im Darm, Magen-Darm-Infekte und Antibiotika die Ursache für das Reizdarmsyndrom sein können. Genauso wie unterschiedliche Lebensmittel, Essgewohnheiten und Stress.

Ernährung: Welche Lebensmittel darf man essen und welche sollte man meiden?

Liebe geht durch den Magen und Gesundheit durch den Darm. Auch ein Reizdarm kann besänftigt werden. Milchsauer vergorenenes Gemüse und fermentierte Getränke können helfen. Dazu zählen Kimchi, Sauerkraut, Tempeh, Kefir, Kombucha und ungesüßter Bionaturjoghurt mit lebenden Kulturen. Auch Ballaststoffe, wie Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Trockenfrüchte sowie Obst und Gemüse dürfen auf dem Speiseplan nicht fehlen.

Verschiedene Sorten von Obst, Gemüse und Körnern
Obst, Gemüse und Nüsse helfen bei Reizdarm-Beschwerden. Bildrechte: Colourbox.de

Aber es gibt auch Lebensmittel, auf die Sie dringend verzichten sollten. Ballaststoffe aus Weizenkleie oder Leinsamen fördern die Gasbildung. Sind also gar nicht gut für einen Reizdarm. Brot sollte auch vom Speiseplan gestrichen werden, es sei denn, es ist aus Urgetreiden wie Einkorn, Emmer, Dinkel und Durum. Was auch wegfallen sollte: fettiges Essen, Gewürze, Alkohol, Nikotin, Kaffee und zu viel Obst und Milchprodukte.

Diese Behandlung hilft bei einem Reizdarm

Neben der Ernährung gibt es noch andere Dinge, die den Betroffenen helfen können. Reizdarm-Produkte aus der Apotheke können den Darm durch synthetisch produzierte Darmbakterien regulieren. 

Bei leichten Schmerzen können beispielsweise eine Belladonnatinktur, Pfefferminzöl oder japanisches Heilpflanzenöl helfen. Ein Hausmittel bei krampfartigen Bauchbeschwerden mit Blähungen ist eine Kombi aus KümmelFenchel, Pfefferminz und Kamillenblüten. Bei einer Verstopfung kann eine tägliche Bauchmassage helfen. Dadurch wird die Bewegung des Darms gefördert.

Frau wird physiotherapeutisch behandelt
Neben einer Bauchmassage hilft gegen einen Reizdarm auch Bewegung. Bildrechte: Colourbox.de


Da Stress ein Auslöser für den Reizdarm sein kann, ist es auch gut, ihn im Alltag mit Meditation, Autogenem Training oder einer Psychotherapie zu reduzieren.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 16. August 2023 | 17:15 Uhr

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