Eine Familie kommt im Garten am in Berlin zusammen
Krebs in der Familie oder im Freundeskreis wird schnell zu einem beherrschenden Thema - und wirft viele Fragen auf. Bildrechte: picture alliance / picture alliance / dpa-tmn | Zacharie Scheurer

Hilfe und Selbsthilfe Krebs in der Familie: Tipps für Angehörige

27. März 2024, 15:11 Uhr

Diagnose Krebs: Oft sind Patientinnen und Patienten damit erstmal heftig überfordert. Auch die Angehörigen trifft es meistens hart und unerwartet. Doch niemand muss damit allein sein und bleiben. Es gibt professionelle Hilfe.

Die Expertinnen und Experten der Deutschen Krebsgesellschaft kennen sich mit diesem Thema bestens aus und haben Tipps für Angehörige.

Tipp 1: Öffnen Sie sich einem Freund oder einem Krebsmediziner

Nicht alles kann und sollte man mit dem Krebspatienten selbst besprechen. Ängste und Sorgen offen zu formulieren, das geht mit einem guten Freund oder einer guten Freundin meist viel besser.

Für die medizinische Seite stehen immer auch Fachleute zur Verfügung: Fragen Sie im Krankenhaus oder im Krebszentrum, in dem die Behandlung erfolgt, nach einer psycho-onkologischen Beratung. Die wird übernommen von extra geschulten Ärztinnen oder Ärzten, von Psychologinnen und Psychologen oder von Seelsorgerinnen und Seelsorgern. Je nachdem, um welche Fragen es geht.

 Ärztin mit Stethoskop im Gespräch mit einem Patienten
Psycho-Onkologinnen und Ärztinnen stehen auch Angehörigen beratend zur Seite. Bildrechte: IMAGO/imagebroker

Sie sind Angehöriger eines Krebspatienten? Nehmen Sie in dieser Situation Hilfe an - auch dann, wenn Sie bisher noch nie praktische oder psychologische Unterstützung bekommen haben. Es wird Ihnen selbst guttun und auch dem Krebskranken nützen.

Deutsche Krebshilfe

Telefonische Beratung

Die Hotline des Deutschen Krebsinformationsdienstes steht auch Angehörigen von Krebspatienten zur Verfügung. Sie erreichen dort täglich von 8:00 bis 20:00 Uhr jemanden - kostenlos und vertraulich unter der Nummer:

0800 - 420 30 40

Angehörige überfordern sich oft selbst

Wichtig: Nehmen Sie Ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse ernst. "Man kann anderen nur helfen, wenn man selber einigermaßen stabil ist und auch stabil bleibt", sagt die Psycho-Onkologin Prof. Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf vom Universitätsklinikum Leipzig. "Häufig überfordern sich Angehörige extrem von Beginn an und achten nicht auf sich selbst."

Krebs Patient
Angehörige von Krebspatienten müssen auch auf sich selbst achten, ansonsten droht Überlastung. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Tipp 2: Fragen Sie den Erkrankten nach seinen Wünschen

Viele Krebspatientinnen und -patienten fühlen sich in der Krebsbehandlung überfordert und fremdbestimmt. Angehörige können in dieser Situation helfen, indem sie fragen, was sie für die Erkrankten erledigen können oder wo sie Hilfe brauchen. Das beugt oftmals Missverständnissen vor, die in dieser Situation wirklich niemand brauchen kann.

Das Wichtigste ist einfach, für den Patienten ein Umfeld zu schaffen, das vermittelt: Es bricht nicht alles zusammen.

Psychoonkologin Prof. Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf AOK

Eine Frau shminkt sich 2019 bei einem Kosmetikseminar für krebskranke Frauen.
Wie kann ich Dir helfen? Was kann ich für dich erledigen? Zwei wichtige Fragen, die Angehörige immer wieder stellen können. Bildrechte: IMAGO / KS-Images.de

Mit einer Krebsdiagnose geht jeder anders um, deswegen sind Wesensveränderungen von Erkrankten recht häufig. Abwesenheit und Gereiztheit sind nicht selten - auch bei Angehörigen.

Das vielleicht einzig Gute daran: Meist richten sich Aggressionen gar nicht gegen Menschen, sondern gegen die Krankheit Krebs. Experten raten dazu, solche Stimmungen zuzulassen und ihnen Freiräume zu geben.

eine Ärztin im Gespräch 3 min
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Brisant So 24.03.2024 17:10Uhr 02:42 min

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Tipp 3: Nutzen Sie die gemeinsame Zeit sinnvoll und klären Sie offene Fragen

Auch wenn Krebs sehr unterschiedlich ist und sehr unterschiedlich verläuft, die Frage "Wie viel Zeit habe ich noch?" schwebt immer über dem Erkrankten und auch über dessen Familie.

Zeit wird zu einem kostbaren Gut, die Gegenwart muss genutzt werden - für wichtige Dinge, für gemeinsame Dinge, für Dinge, an die man sich später gern erinnert.

Junges Paar genießt einen Ausflug in einem Kanu auf einem See
Woran wird man sich später erinnern? Was wollte man schon immer mal tun? Viele Krebspatienten und deren Angehörige stellen sich diese Fragen. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Auch finanzielle Fragen sind vielen Krebspatienten wichtig

Auch das Thema Finanzen kann zu diesen wichtigen Dingen gehören: Was tun, wenn einer nicht mehr Vollzeit arbeiten kann? Wo bekommt man finanzielle Unterstützung?

Besprechen Sie diese Fragen, wenn sie für Sie wichtig sind. Und holen Sie sich Hilfe, zum Beispiel in den vielen Krebsberatungsstellen, die es in Deutschland gibt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. März 2024 | 17:15 Uhr

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